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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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66
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Staat hat keine Verbindlichkeit, Personen vnd Waaren mit Stil»mesgeschwindigkeit zu transportiern." Diese Behauptung ist unstatt-haft: 1) weil der Staat im vorliegenden Falle die E.B. nicht imInteresse einer bestimmten Gegend, sondern in dem des ganzen Lan-des.baut, nm demselben sein Verkehrsverhältniß zum Auslande zu ret-ten; 2) weil der Staat auch sonst mit den Steuern der reicherenProvinz die Landstraßen der ärmeren baut; 3) weil es öffentlicheAnstalten genug gibt, die an bestimmte Lokalitäten gebunden sind,ohne deßhalb llloßcn Lokalinteresscn zu dienen. Der Vers. hat inseinem ganzen Aufsätze ein Durchgangsland im Auge nämlichWürttemberg . Allein wie er bei den E.B.B. beharrlich an der ab-strakten und leeren Geschwindigkeit klebt, ohne die damit nothwendigverknüpften Wirkungen sich vorstellig zu machen: so ist ihm auch derDurchgang durch Württemberg , d. h. die Verbindung des Oberrhcinsmit der Donau , ein bloßer leerer Durchgang, dessen Verkehrsbedcn-tung und Verkehrsinhalt im ganzen Aufsätze so sehr mit keiner Sylbeberührt wird, daß es scheint, als gäbe eS der Art hier gar nichtszu berühren: eine Betrachtungsweise, mit deren Formalismus undInhaltslosigkeit eine zweite Quelle von Irrthümern in Verbindungsteht, nämlich die Unmöglichkeit, Eisenbahnanstaltcn als Gemeinguteines Landes zu betrachten. Bekanntlich tragen nur wenige französi-sche Kanäle ihre volle Rente, so daß der Staat ein .jährliches Defizitzu decken hat. Nach des Vers. Ansicht sollten solche Anstalten vornStaat gar nicht unternommen werden: denn es ist eine Ungerechtig-keit, die Steuerpflichtigen der Provence , der Auvergne w. an Wasser-straßen zahlen zu lassen, von denen sie keinen direkten Nutzen haben.Die Straßen, welche Württemberg in neuester Zeit auf dem Schwarz­ wald erbaut hat und welche in keiner Weise im Sinne des Verf.rentiren, sind eine Ungerechtigkeit gegen den Neckar -, Jart- und Do-nankreis, die mit ihren Steuern dazu beitrugen, ohne direkten Nutzendavon zu haben. Die Schleuste bei Heilbronn was geht sie dieübrigen Steuerpflichtigen des Landes an? . . . Ich will nicht weiterfortfahren, man verliert allen Boden unter den Füßen; aber mansieht deutlich, daß der Vers. einem Systeme huldigt, welches denwirthschaftlichen Organismus der Staaten zerreißt, denselben in eineAtomistik von Lokalinteressen auflöst und die Staatsverwaltungen umein Jahrhundert zurückstellt.Landstraßen sind ein Bedürfniß fürJedermann, E.B.B. nicht." Ich antworte: Kanäle, Häfen, Hafen -dämme, Docks rc., lauter kostspielige Unternehmungen, die nur ein-zelnen Lokalitäten zu Theil werben, können Bedürfniß für ein ganzesLand seyn, und darum unternimmt sie auch das ganze Land, der Staat.Eine E.P. kann einem Lande zur Nothwendigkeit werden, wenn es ohnesie in Gefahr steht, einen auswärtigen Verkehr zu verlieren, der aufdas Ganze wohlthätig wirkt. Eine E.B. kann wohlthätig auf einganzes Land wirken, wenn sie eine Gegend durchzieht, in welcher diegroßen Interessen des Landes sich konzentriren; sie ist jedenfalls fürs