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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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die Gesammtheit mittelst Vereinigung der Kräfte Aller zu gemeinsa-mem Besten zu bewirken. Ick will meine Gründe näher auseinan-dersetzen.

Gegen Anlegung von E.B.B. auf Staatskosten macht mangeltend:

1) daß Privatleute wohlfeiler bauen. Allein daS, wasder Privatmann sparsam bauen nennt, heißt, auf E.B.B. angewandt,^icht immer solid und sicher bauen. Zudem fragt es sich sehr, obPrivaten wohlfeilere Akkorde treffen, als Regierungen, welche Jahr"us Jahr ein gewisse Baugcwerke beschäftigen, und daher über diePreise der Arbeiten und Materialien am besten unterrichtet sind. InPeziehnng aus die Expropriation darf man als sicher annehmen, daß"ran dem Staat williger ein Opfer bringt, als einer Privatgesellschaft,'da man von jenem keine andere Rücksicht als die des Gemeinwohls,von dieser keine andere als die des Privatgewinnö erwartet.

2) daß Privaten wohlfeiler verwalten und den Fort-gang des Unternehmens gewerbsmäßiger betreiben. Ichwill den ersten Theil dieser Einwendung nicht ganz leugnen, obwohl"'ehr als Eine Privatgesellschaft bekannt ist, die so theuer verwaltet,gks dieß nur immer vom Staat geschehen kann, während andrerseitsBeispiele vorhanden sind, daß zu wohlfeile Verwaltung keine gerin-geren Nachtheile und anderweitigen Opfer verursacht als ein zu wohl-siiler, beständige Nachbesserungen erfordernder Bau; gegen den zwei-en Punkt führe ich jedoch einfach an, daß Privatgesellschaften keingewerbliches Operationsmittel zu Gebot steht, die Frequenz und dieVortheile der Bahn zu steigern, daß aber Regierungen vermöge ih-"er Stellung zu den Nachbarn politisch, und durch Einlenkung von"euen Straßen auf die E.B.trace, so wie durch Maßregeln im Jn-^resse der Volkswirthschaft rc. administrativ in den Stand gesetztund, der E.B. Vortheile zuzuwenden.

3) daß die Regierung in eine Art gewerblichen und kaufmän-nischen Betriebs sich einzulassen habe, der Verwicklungen und Miß-siände aller Art für sie herbeiführe. Nicht mehr oder wennswch mehr, doch in der nämlichen Form des Geschäftsbetriebs istdieß der Fall da, wo die Posten Staatsanstalten sind.

. . 4) daß die Regierung einen wesentlichen Theil des Verkehrs,"Esien Lebensprinzip Freiheit sey, in ihre Hände und eine drückendeBevormundung auszuüben die Macht bekomme. Allein so viel mir^kannt, hat die Gewalt der Umstände schon seit längerer Zeit dieLegierungen auf ein System getrieben, welches von der MaximeAusgeht, daß man mir da Früchte pflücken kann, wo man zuvorKannte gepflanzt hat; und wenn Einer je abgeneigt seyn sollte zuglauben, daß der Wetteifer, mit welchem die Regierungen gegenwär-M die produktiven Mittel und Kräfte zu schaffen und zu wecken sichBestreben, der Ausfluß aufgeklärter Wirthschaftsprinzipien und huma-Nor Gesinnungen sey, so bleibt ihm immer noch die Annahme, daß es