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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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aus selbstsüchtigen Absichten geschehe, übrig, die denn zu demselbenZiele führt. Allerdings ist der Gedanke König Leopolds von Bel­ gien , sich an die Spitze deS neuen Transportsystems zu stellen unddadurch die Interessen des Landes an seine Regierung und Dynastiezu fesseln, das Produkt einer ebenso feinen als sichern politischen Be-rechnung; allein wenn man befürchtet, daß die materiellen Interessendes belgischen Volks dadurch in eine nachteilige oder auch nur lä-stige Gebundenheit und Abhängigkeit von.der Staatsregierung ver-fallen möchten, so irrt man sich gewaltig, da im Gegentheil jedeRegierung, welche sich einmal in die Interessen der Landcsindustricund des Landeshandels tiefer und unmittelbar verflicht, in all ihrenBewegungen von diesen Gewalten abhängig wird. Den sprechend-sten Beweis liefert England. Seit Elisabeth und Kromwcll die In-dustrie und den Handel Englands für eine Rcgierungsangelegcnheiterklärten und im Einklang mit dieser Erklärung handelten, hat sichRegierung und Verwaltung in die Fesseln der industriellen InteressendeS' Landes begeben.

5) daß die Regierung ihr Kapital borgen, also die Staats-schuld vergrößern müsse. In dieselbe Nothwendigkeit wird sie aberversetzt, wenn ein bewaffneter Friede, Kriegsrüstnngen, Festungsbau-ten, Kanalanlagen, ausgedehnte neue Straßenzüge gewöhnlicher Art rc-die Staatskräste auf außerordentliche Weise in Anspruch nehmen.Dazu gehören E.B.B. in die Klasse derjenigen Unternehmungen,welche für produktive Zwecke erbaut werden. Fast alle StaatenEuropa's seufzen unter der Last von Schulden, welche ein langerKriegszustand der außerordentlichsten Art ihnen zurückgelassen hat.In allen haben sich die Staatsbedürfnisse auf einen hohen Grad ge-steigert. Nur wenige haben während des langen Friedens einenTheil dieser Schulden abgezahlt, die meisten haben neue Schuldendazu gemacht, großentheils für Zwecke des Staatsschatzes, (derenWichtigkeit ich weit entfernt bin zu mißkennen) seltener und in ge-ringerem Maße für produktive Zwecke. Wodurch gedenkt man dieseSchulden zu tilgen? Natürlich durch die Arbeit der Bürger, und umdie Erfolge dieser bürgerlichen Arbeit zu unterstützen und ergiebigerzu machen, hat man hier und dort eben auch Schulden für produk-tive Zwecke gemacht. Man traut mithin der kleineren, verhältniß-mäßig ganz unbedeutenden produktiven Schulv das Vermögen zu,nicht nur sich selbst, sondern auch die große unproduktive Schuld til-gen zu können. Daraus scheint zu folgen, daß man die produktivenHülfsmittel oder die produktive Schuld vermehren müsse, wenn mandie unproduktive sicher und schneller verschwinden sehen will. DerHimmel bewahre mich, daß ich zu leichtsinnigem Scbnldenmachen auf-fordere. Allein wenn die Sorge für die Staatssicherheit kein Be-denken trägt, Schulden für kriegerische Zwecke zu machen, so dürsteman nachgerade weniger empfindlich seyn, Schulden für friedlicheZwecke zu kontrahiren. Man vergleiche in den Budgets der euro -