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Man weist auf England hin, wo sämmtliche E.B.B. der Pri-vatspekulation überlassen seyen. Dagegen ist zu erwidern, daß sichdie englische Regierung auch um die Landstraßen nicht kümmert,deren Erbauung und Erhaltung den Gemeinden und Gutsbesitzernobliegt. Ueberhaupt geschieht und kann dort gar Manches durchPrivatkräste geschehen, wozu anderwärts die Intervention des Staa-tes nothwendig wird. Die englische Regierung baut keine Kanäle,betreibt keine Bergwerke, unterhält keine Schulen rc. Doch! sie bautchich Landstraßen, Kanäle, Brücken, oder leistet Beistand dazu, wenneine Gegend die erforderlichen Summen nicht aufbringen kann, oderWenn die Rentabilität so beschaffen ist, daß Privatkapitale sich nichtdaran wagen — was in England viel heißen will. Der Staatbefolgt in diesen Fällen einen Grundsatz, welcher der von dem öftersgenannten Verfasser ausgesprochenen Mckrime schnurstracks zuwider-käust, wenn er sagt: „Der Staat dürfe nur rentable E.B.B. bauen."Die englische Regierung dreht den Satz um: „Der Staat solle nursolche Kanäle übernehmen, welche voraussichtlich keinen unmittelbarenErtrag abwerfen."* Man sieht, daß beide Theile von verschiedenendolkswirthschaftlichen Ueberzeugungen ausgehen; K. von der Ueber-zeugung: die nationalökonomische Wirksamkeit der E.B.B. sey immerzweifelhaft, wo dieselben nicht hinreichend rentiren, weil daraus folge,daß es ihnen an Frequenz fehle; England von der entgegengeseztenUeberzeugung: die nationalökonomische Wirksamkeit von guten Ver-kehrsmitteln sey nie zweifelhaft, da sie, wenn die nöthigen Verkehrs-Uemente auch noch nicht vorhanden, solche mit der Zeit zu schaffeni>n Stande seyen. Immer wieder die alte Frage, ob Verkehrsanstalten alsproduktive Mittel, als Werkzeuge der Produktion anzusehen seyen,Was K. leugnet, die englische Regierung bejaht. Jener verlangt un-mittelbare Rentabilität und hat nur die Gegenwart im Auge; diesesteht auf die mittelbaren Wirkungen, auf die Zukunft und baut einenVersuchsstollen, aber mit mehr Sicherheit des Erfolgs, als dieß beimBergbau der Fall ist. „Die verantwortlichen Verwalter des Staats-dermögens werden es wohl zu überlegen haben, bevor ste sich inProjekte einlassen, welche gewisse enorme Kosten verursachen, währenddie daraus erwachsenden Vortheile vielleicht erst künftigen Generativ-en zn gut kommen könnten." Eine kurzsichtige Politik, die nichtüber die Spanne der Gegenwart hinaussehen wollte! Eine öffent«nche Verwaltung, die daraus verzichtet, für die Zukunft zu schaffen,sann ihre Geschäfte durch CommiS und Buchhalter besorgen; einStaatsmann, der nicht das Wohl künftiger Generationen im AugeMt, ist ein ganz gewöhnlicher besoldeter Gutsverwalter, der das Wirth-Ichastsbuch führt und die Gefälle einzieht, ohne sich weiter zu kümmern,Wie der Ertrag zu vermehren seyn dürfte. Denn wollte er dieß, sowüßte er pflanzen, also Anstalten treffen, die meist erst in der Zukunft ren-
Da Kanalbauten theurer sind als E.B.B., so wird eine Gleichstellung bei-der wohl erlaubt seyn.