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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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mit Allen zu finden sey. Zwar sind zur Zeit noch mehrere wichtigeGlieder dem Vereine nicht beigetreten, allein man wird mir wohldie zur Beantwortung der Frage: was Deutschland von einem E.B-Systeme zu erwarten habe, nöthige Voraussetzung, nach welcher ichmir die separatistischen Staaten als im Verein begriffen denke, gerneeinräumen, da es ja mehr als wahrscheinlich ist, daß nach Ablaufder nächsten zehn Jahre wenigstens die norddeutschen Staaten demVereine bcigetreten seyn werden, und da ja Deutschland seine E.B.B-nicht für die nächsten zehn Jahre, sondern für die Zukunft baut.*

" Es kann als ein Ariom gelten, daß dem Zollvereine, um sich zu einem national-ökonomischen Ganzen nach Innen nnd Außen abzurunden, wichtige Gliederfehlen, solange die norddeutschen freien Städte noch außerhalb des Kreise-verharren. Die Frage über ihren Beitritt ist in diesem Augenblicke Gegenstand derlebhaftesten Journaldebatte,' ich will versuchen, dieHauptpunkte zusammenzustellen.

Man hat die Städte an der Ehre nnd am Nutzen gefaßt, um sie herüber-zuziehen. Einige Publizisten appellirten an nationale Gefühle. Dieß scheintmir Handelsrepubliken gegenüber vergebliche Mühe zu seyn. Tyrus , Sidon ,Karthago, Venedig , Genua , wann und wo es Handelsrepubliken gab keinekannte je ein anderes Vaterland, eine andere Sache als die ihrer Stadt. DerEgoismus tritt hier in einer historisch so erstarkten Konzentration auf, daß nurüberwiegende Gründe des Schadens oder des Nutzens Gehör finden können; jaes strittegegen die Natur solcher sozialen Vereine, wenn dem anders wäre.Als Vortheile bietet man den separatistischen Städten an: l) Begünstigungihrer Konkurrenz mit fremden Seeplätzen durch Verbesserung der Kommuni-kationSwege und andere zweckdienliche Maßregeln; 2) Unterstützung auf fremdenMärkten durch das Gewicht des Vereins; 3) Aussicht auf eine größere allgemeineHandelsfreiheit, zu deren Erreichung ihr Beitritt den dadurch in seiner Machtgestärkten Bund qualifiziren müßte; ä) Aussicht auf Bildung einer deutschen Marine; ö) Hebung ihrer Industrie, besonders der Zuckerrafsinerien; tz) Gewinnaus der Zunahme des direkten Verkehrs Deutschlands mit außereuropäischenLändern; 7) Benutzung eines höchst ausgedehnten freien Marktgebiets, fürdessen Aus- und Einfuhr sie beinahe das Monopol erhielten.

Dagegen machen die Hansestädte den Verlust ihrer Freihäfen, d. h.den Verlust der freien Auflagerung und Spedition, oder des Zwischenhandels,geltend. Dieser Punkt hat eine häusliche und merkantile Seite. Die häuslicheschlägt ins Gebiet des Kellers und der Speisekammern, also der Hausfraueneiner Großmacht in Städterepubliken. Die freien Städte beziehen au»Frankreich wohlfeile Weine, genießen wohlfeilen Zucker, Kasse, Theere., Artikel,welche der Vereinstaris mit mehr oder minder hohen Zöllen belastet. Manfürchtet überdieß theureres Fleisch, Brod rc. Ich weiß nicht zu sagen, wie dienordischen Gaumen zu rhein - und süddeutschen Weinen sich verhalten: inzwischen,scheint mir, macht in diesen Dingen die Gewohnheit Alles; das Plus für Zuckerund Kasse dürfte aber den Städten leicht durch ihre Raffinerien hereinkommen,welche für Deutschland nahezu seinen ganzen Zuckerbedarf zur Lieferung über-kämen. Die Brod- und Fleischpreise, welche Hamburg und Lübeck den mecklenbur-gischen und holsteinischen Grundmonopolisten verdanken, dürften sich eher senken.Wichtiger ist der rein merkantile Gesichtspunkt. Man fürchtet von der Zollgesetz-gebung des Vereins den schädlichsten Einfluß auf den Zwischenhandel, wo nichtdessen gänzliche Vernichtung, da derselbe zu seiner Bewegung völliger Handels-freiheit bedürfe.Entrepöts oder möglichst freie Niederlagen wären für denFreihafen nimmermehr ein Ersatz. Die in den Niederlagen nöthige Aufsichtzur Abwehrung von llnterschleifen und die mannigfachen Formalitäten müßtendie zarten Nerven des Zwischenhandels lähmen. Der so wesentliche Vortheileigener Magazinirung der Waare zum Zweck der nöthigen Sortirung, Mischung,