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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Bau genommenen Bahnen einschlagen,, folgt im Allgemeinen derHauptabdachung des deutschen Bodens, welche eine nördliche ist. DerZettel des Gewebes spannt sich von Norden nach Suden herab,während wenige (fertige) Bahnen erst den westöstlichen Einschlag bil-den. Als Punkte, wo dieß Netz an ausländische Systeme anknüpft,erscheinen im Westen Karlsruh-Straßburg- und Aachen -Eupen , imOsten Krakau -Warschan. Die Meridianbahnen laufen mit ihrennördlichen Enden an den beiden Meeren aus, wo sie mit der Schiff-fahrt in Verbindung treten, und senken sich im Süden theils auf dieDonau , die Verbindung der norddeutschen Meere mit dem schwarzenbewirkend, theils auf die Alpen herab, deren Wall sie bis jetzt nurim Osten dieser Gebirgsketten durchbrechen sollen. Die Wien -TriesterBahn ist der erste Versuch, ein breites Gebirgsland mit einer E.B.zu überschreiten, welcher sich mehrere Gebirgszüge quer in den Weglegen. Schwierigkeiten, welche auf den übrigen Bahnen zerstreut sichvorfiiiden, treten hier vereinigt auf. Sie ist zugleich die erste Bahn,

! welche das mittlere und nördliche Europa mit Italien und der Le-vante verbindet. Es ist nicht wahrscheinlich, daß sie die einzige Ver-bindungslinie bleiben werde. Bekanntlich sind bereits auf mehrerenanderen Punkteil Untersuchungen vorgenommen worden. Folgt mandem Faden der Flüsse, so erhält man zwei Linien, aus welchen mandem Alpenstock sich nähern kann. Die eine vom Bodensee aus durchGraubündten ins Hinterrheinthal, die andere durchs Tyrol, den Jnnverfolgend ins Ober-Engadin, jene ins Lyrathal, diese inö Maira-oder Adda-Thal führend, beide bei Chiavenna oder am Comer-Seezusammenlaufend und in weiterer Fortsetzung unmittelbar auf die Mai-land-Venediger-Bahn sich einsenkend. Daß es sich hier nur vonPferdebahnen handeln kann, versteht sich wohl von selbst. Dagegenreicht ein Blick auf die Karte hin, um wahrzunehmen, wie dasGesammtnetz der deutschen Eisenbahnen nach den Tyroler Alpen hinzusammenläuft, und es hängt davon ab, wie hoch oder niedrig man dentransalpinischen Verkehr tarirt, um die Annahme, es werde zwischendem 27sten und 30sten Längengrade zu einem weiter» Durchbruch kom-men, als keine zu gewagte erscheinen zu lassen. Nächst Oestreichhätten Baiern , Baden , Württemberg das entschiedenste Interesse beieiner zweiten mehr westlichen Alpenbahn. Man begreift, welche durch-greifende Veränderung der gesammte Handelözug nach Italien dadurcherfahren müßte. Vier Hauptstraßen vermitteln gegenwärtig diesen Ver-kehr: 1) Wien , Grätz, Laibach, Trieft; 2) Augsburg , Jnsbruck, Bren-ner, Briren, Botzen , Trient , so wie Wormser und Stilfser Joch ,3) Splügen , 4) Gotthardt. Ueber die Wichtigkeit des Verkehrs,welcher sich auf diesen Straßen bewegt, will ich kein Wort verlieren;dagegen sey mir erlaubt, diese Auseinandersetzung mit einer Betrach-tung zu schließen, welche der Gedanke eines europäischen Eisenbahn-systems und einer durch E.B.B. vermittelten Verbindung zwischenDeutschland und Italien Jedem aufdringen muß, welcher den Han-