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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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delsverkehr der europäischen Staaten im Mittelalter und die Ursa-chen kennt, welche den gegenwärtigen Zug desselben bedingt haben.

Der Verkehr zwischen Asien und ^Europa ist uralt. Vermögeihrer natürlichen Reichthümer spielten die indischen Länder eine Haupt-rolle in diesem Verkehre, zu Salomos Zeiten so gut wie noch heute.So weit die beglaubigte Geschichte reicht, gingen indische Erzeugnissein den Occideut, und zwar war dieser Handel seiner Hauptsachenach Landhandel. Der Seehandel diente meist nur zu Fortsetzung desleztern. Die Schiffahrt war Küftenfahrt; ihr Hauptschauplatz dasBassin des mittelländischen Meers, wo drei Welttheile ihre Erzeug-nisse austauschten, und Trapezunt, Milet , Ephesus , Tyrus , Sidon ,Alerandrien, Karthago, Gades , Massilia, Tarent , Korinth re., diebedeutendsten Empörten dieses Zwischenhandels bildeten. Außer demMittelmeere erleichterte nur der indische Ozean, vermöge seines mäßi-gen Umfangs und der regelmäßig wechselnden Winde den Seehandel,so daß dem höchst umfangreichen aus den indischen Ländern durchMittelasien hindurch betriebenen Karavanenhandel, welcher in denkleinasiatischen und syrischen Küstenländern die indischen Produkte nie-derlegte, ein an Umfang geringerer Wassertransport zur Seite ging,einmal durch den persischen Meerbusen nach Babylon, sodann durchdas rothe Meer nach Alerandrien, und zwar eine Zeit lang mittelsteines Kanals in den Nil, und später über die Landenge von Suez-Dieser asiatische Handel war von einer solchen Energie, daß er, ob-gleich unzählige Male gestört, sich doch immer gleich wieder aufrich-tete, und in seinen Hauptsitzen Jahrhunderte lang derselbe blieb-Phönizier, kleinasiatische und syrische Griechen und EgYPtcr warennacheinander seine Vermittler gewesen, bis er im achten Jahrhundertn. Chr. in die Hände der Araber überging, die ihn jedoch, zu stolzum den Christen die Reichthümer Asiens zuzuführen, mit Venedig und Genua theilten. Eine neue Epoche des asiatisch-europäischenVerkehrs beginnt, denn die asiatischen Produkte dringen von nun anin immer größerer Menge in die Binnenländer Europa's ein, derenIndustrie und Verkehr dadurch den ersten kräftigen Anstoß erfährt.Jene Republiken beherrschen das Mittelmeer , ziehen die Vortheileder alten Handelswege nach dem Innern Asiens und Afrika's ansich, monopolisiren die Ein- und Ausfuhr beider Welttheile und ma-chen Europa mehrere Jahrhunderte lang in Beziehung auf asiatischeund afrikanische Waaren tributpflichtig, denn nur einen schwachenZweig des innerasiatischen Handels wußten die Hanseaten aus derBucharei, am kaspischen und schwarzen Meere hin über Kiew nachNowgorod , dem äußersten ihrer Handlungskomptoire, und von da indie Ostsee zu leiten. Damals empfingen Nord -Frankreich , die Nie-derlande, England, Deutschland , Polen , Ungarn ihre asiatischen Be-dürfnisse: Gewürze, Baumwolle, Seide n. aus den Händen derVenetianer und Genuesen. Der kürzeste Weg ging über die Alpen nach den deutschen Flüssen Donau , Rhein , Elbe . Wien , Regensburg ,