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teil. Lissabon , Kadiz , Antwerpen , Amsterdam , Hamburg , London erhoben sich zu Weltmärkten, die reichen Stapelplätze des Binnen-landes verloren ihre Bedeutung, die süddeutschen Handelsstädte, gleich-sam die Seeplätze Süddeutschlands an dem Alpenwalle, verblühten, undder Handel schlug seine Hauptemporien am Meere aus.
Es ist unmöglich, dass dieser Bund des Menschen mit demOzean je wieder aufhöre, nachdem er der Menschheit zwei neue Welt-theile gezeugt hat. Allein ein Wiederaufleben des alten europäischen KontinentalhandelS wäre sehr leicht möglich, sobald das Mittclmecrin seine alte Rolle wieder eingesetzt wurde und der Kontinent einTransportsystem bekäme, welches, wenigstens für gewisse Handels-artikel, dem Transport über die Alpen Vorzüge vor dem Seetrans-port um halb Europa herum sicherte. Und in der That spricht mannicht von prophetischen Gesichten, sondern von Thatsachen, welche un-ter den Augen Europa's sich entwickeln, wenn man dem europäisch-asiatischen Handelsverkehre, welcher seine Straße um Afrika hat, seinnahes Ende und dem Mittelmeere seine Auferstehung vorhersagt.
Ostindien ist der kostbarste Edelstein in der englischen Krone ;von dem Besitze dieses gewaltigen Reichs und vom ungestörten Fort-gang des Verkehrs mit den übrigen asiatischen Ländern hängt zumgroßen Theil Englands Industrie und Handel, vielleicht Existenz ab.Ein naher Weg zu seinen asiatischen Besitzungen wird ihm in demMaße nothwendiger, in welchem Ostindien, durch englische Institutio-nen angeregt, aus seiner Apathie erwacht und Rußland seine Minengegen dieses Reich vorwärts treibt. Jeder Zeitungsleser kennt dieBemühungen Englands, durch Vorderasien sich einen kürzern Wegdorthin zu, bahnen. Die Gründe seines Hasses gegen Mehemed Ali,die Absicht seines Einschreitens in Syrien und seiner Euphratexpedi-tionen sind Niemand ein Geheimniß, und man spricht in Englanddie Nothwendigkeit eines vorderasiatischen Besitzes und Thors nachIndien als ein Axiom aus, das durch sich selbst einleuchte. Bo wring,zur Aufnahme einer Handelsstatistik von der engl. Regierung nach Sy rien geschickt, erklärt in seinem Berichte (1840) ganz unverholen, daßin Syrien die Herrschaft GroßbrittamenS aufgepflanzt werden müsse,damit die Leitung der Geschicke des Ostens in englischen Händenbleibe. „Syrien, " sagt er, „ist das verbindende Glied zwischen demMutterlande und dem reichen Indien , dessen politische Grösse undFestigkeit wesentlich von dem Besitze dieser Gestade des Mittelmeersabhängt. Syrien sollte daher, sowohl in politischer als kommerzi-eller Beziehung zu Erreichung dieser großen nationalen Zwecke alsAusgangs- und Anhaltspunkt betrachtet werden."
Denken wir uns, England öffne sich durch Syrien in den per-sischen Meerbusen, oder über die Landenge von Suez, welche noch dieSpuren eines uralten Kanals ausweist, oder durch das Nilthal, daSim grauen Alterthume mit dem rothen Meere in Kanalverbindung stand,eine Straße nach Ostindien, so ist klar, daß der Handel mit Ost-