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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Würtembergtfche Eisenbahnen.

I. VorbereitiingSarbeitcn der königliche» Regierung.

Aus der vom königlichen Ministerium des Innern am 28. Febr.1839 der Stäudekammer übergebeneu Note, die Resultate der offi-ziellen Voruntersuchungen betreffend, geht hervor, daß die Regierungdem E.B.wesen schon frühe ihre Aufmerksamkeit zugewandt, und, so-weit die Sache von ihr abhing, nichts versäumt hat, um den Anfor-derungen der Znteressenlage und den Wünschen des Publikums zuentsprechen. Schon vor zehn und zwölf Jahren, in einem Zeit-punkte, wo politische Fragen die Aufmerksamkeit des Publikums fes-selten, war Se. Majestät selbst auf Vervollkommnung der würtem-bergischen Verkehrsmittel durch Wasser- und Schienenstraßen bedacht,und nachdem auf Privatkosten Sr. Majestät verschiedene Studienüber Kanalverbindungen ausgeführt waren, wurde im Jahre 1830eine aus administrativen und technischen Mitgliedern des Departe-ments des Innern und der Finanzen niedergesetzte Kommission mitBegutachtung der Frage über Einführung verbesserter Verbindungs-bahnen auf den bedeutendsten Linien des vaterländischen Verkehrs be-auftragt. Das Gutachten der Kommission vom Jahre 1834 be-zeichnete eine E.B. als dasjenige Verkehrsmittel höherer Ordnung,auf welches im Interesse der Verbindung des Neckars mit der Do­ nau und dem Boocnsee zunächst Bedacht zu nehmen seyn dürfte.Auf die damals zur Hand liegenden Hülfsmittel gestützt, die Beur-theilung der Ausführbarkeit aber auf eine detaillirte Aufnahme desTerrains und Berechnung der Kosten verweisend, schlug die Kommis-sion eine Bahnlinie vor, welche vom mittlern Neckar ausgehend,durch die Thäler der Neins, des Kochers und der Brenz , dann dieDonau aufwärts nach Ulm und von da durch die Thäler der Rißund des Schüssen bis Friedrichshafen ihre Richtung nehmen sollte.Mittlerweile hatte der Umschwung der politischen Verhältnisse dieGedanken des Publikums aus die friedlichen Zwecke der Industrie zu-rückgelenkt. Man sprach überall von nichts als E.B.B.; zahlreicheProjekte in allen deutschen Staaten kamen zum Vorschein. Privat-vereine traten zusammen; auch zu Ulm und Stuttgart bildeten sichzwei E.B.gesellschaften, die sich später in eine einzige würtembergischeverschmolzen. Mit gleich lebhaftem Interesse wie in Würtembergwurde die Frage in Baiern und Baden erörtert, zwei Nachbarstaa-ten, deren Verkehrsverhältnisse zu den unsrigen in der genauesten Be-ziehung stehen. Die Regierung verschob es nun nicht länger, die-jenigen Maßregeln zu treffen, welche allein die Vorbedingung einergründlichen Würdigung der Frage bilden könnten, und nachdem derLandtag von 1836 eine Summe von 100000 fl. ausgesetzt, wurdeeine Aufnahme des Terrains nebst Entwerfung von Bauüberschlägenverordnet, mehreren vaterländischen Technikern Gelegenheit verschafft,sich im^luslande über das E.B.wesen durch eigene Anschauung zu