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4) Spezielle Rücksichten.
Während die Bruchsaler Linie von Vaihingen an keine besonderen Jnterereffen zurBerücksichtigung darbietet, wäre die Pforzheimer Linie im Stande, Verkehrskom-binationen im Interesse des nördlichen Schwarzwaldö (des Enz -, Nagold - undWürm-Thals) in sich aufzunehmen.
Hiernach scheint sich die Wage auf Seite der Pforzheimer Liniezu neigen; inzwischen 'ist das Ucbergewicht nicht so bedeutend, daßdasselbe, meines Erachtcns, einen Streitpunkt bilden könnte. Dennohne Zweifel hat die Revision, welche die ursprüngliche Kostensummeder Enzberger Bahn erhöhte, auch die Baukosten der Kannstadt-Knittlinger Bahnlinie gesteigert, so daß sie vor der Pforzheimer indiesem Punkte ihren Vorzug verliert; sodann bleiben Differenzen derEntfernungen zwischen Kannstadt einer-, Mannheim und Straßburg andrerseits auf beiden Bahnlinien unvermeidlich, da eine württemb.Bahn die badische Gränze nie genau da treffen kann, von wo dieEntfernungen nach Straßburg und Mannheim gleich lang wären,worauf ich eben auch kein großes Gewicht legen möchte; endlich zähltdie Pforzheimer Linie nur 4411 Städtebewohner mehr.
Allein das Gerücht geht, Baden habe den Anschluß bei Bruch-sal verweigert, dem Anschlüsse bei Pforzheim aber stellten sich solcheTerrainschwierigkeiten entgegen, daß, wie dort das Interesse denAnschluß verbiete, hier die technische Ausführbarkeit und der Bau-aufwand denselben wenigstens in hohem Grade erschwere. Sonachkönnte es geschehen, daß überhaupt kein Anschluß an Baden zu'Stande käme, und Württemberg , mit seinen E.B.B. innerhalb dieeigenen Landesgränzen zurückgeworfen, seine Verbindung init demRheine in der Dampfschiffahrt des NeckarS zu suchen und demgemäßseine Landes-EB. in Heilbronn zu beginnen hätte. Allein gegeneine solche Kombination erheben sich gewichtige Bedenken: 1) ist dieNeckar -Dampfschiffahrt noch zu sehr ein Kind in der Wiege, als daßman es mit gutem Gewissen wagen dürfte, eine so kostspielige Unter-nehmung, wie E.B.B. sind, auf Schultern zu gründen, deren Trag-kraft erst noch die Zeit erproben muß. Die bis jezt angestellten Ver-suche haben allerdings die Möglichkeit einer Beschiffung des FlusseSmit Dampfbooten dargethan, und ich zweifle keinen Augenblick, daßdas Unternehmen Fortgang haben werde; allein inan darf sich nichtverhehlen, daß ohne Flußkorrektionen, welche insbesondere aufbadischem Territorium vorzunehmen sind, in trockenen Jahr-gängen die Schiffahrt vielfachen Unterbrechungen und selbst Gefahrenausgcsezt seyn müßte: ein Fall, welcher sich nicht oft zu wiederholenbrauchte, um die Reisenden zu verscheuchen. Wer reist, macht schonzu Hause seine Marschroute, erkundigt sich nach den Beschaffenheitendes Weges u. s. w. und brancht nur einen leisen Zweifel zu verneh-men, daß eine. Straße öfters nicht praktikabel seye, um seine ganzeMarschroute zu ändern. Ohne eine gesicherte und ununterbrocheneDampfschiffahrt wäre aber auch die Verbindung des Württembergs-