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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Ausführung eine völlige Trockenlegung des zwischen Baden undBarern eingezwängten Württembergs nach sich ziehen müßten. Esläßt sich nicht leugnen, daß Baiem sehr viel thun kann, den Ver-kehr von Menschen und Gütern, welche von Mainz aus nachder Donau hin ihre Bestimmung haben, durch eine Mainbahn ansich zu ziehen. Die Erbauung des Ludwigskanals ging aus dieserKombination hervor, und Barern wird aus allen Kräften jene Routezu heben suchen. Weniger Gründe dürfte aber Baden haben, seinenlangen E.B.stamm bis zum Bodensee auszudehnen. Dieß zeigt einBlick auf die Karte. Zieht man eine Linie von Mainz nach Basel ;eine zweite von Basel über Mörsburg , Lindau , Augsburg nach Do-nauwörth; eine dritte von Donanwörth über Nürnberg , Bamberg,Würzburg , Frankfurt nach Mainz , so erhalten wir für die LinieMainz -Basel -Augsburg -Donauwörth eine Länge von circa 200 Stun-den (96 Post-Meilen), während die Linie Donauwörth-Bamberg-Mainz nur circa 100 (48 Post-M.) beträgt. Für diejenigen Per-sonen und Waaren, welche unterhalb Mannheim und bei Mainz dasRheinufer betreten, um nach der Donau zu wandern, dürfte nun (inAbwesenheit einer Württembergischen E.B.) der Weg eher dem Mai»als dem Oberrhein und Bodensee entlang sich vorschreiben, so daßeine badische Bodenscebahu mit einer baierischen Mainbahn nimmer-I mehr zu konkurrireu vermöchte. Dagegen glaubt man, es dürfte derbadischcn Bodenseebahn der Verkehr zufallen, welcher von Straßburg und Mannheim aus nach der Donau strebt, wofern nämlich Baiernvon Memmingen aus nach Lindau eine Bahn zöge. Diese leztereaber soll, wie ich höre, wegen des Terrains und ohne das württ.Territorium in Anspruch zu nehmen, unausführbar seyn, und Würt­ temberg würde seine Zustimmung natürlich nur unter der Bedingungdazu geben, daß Baden bei Pforzheim oder Bruchsal an die württ.E.B. anschließt. Zeigte sich aber Baden hiezu geneigt, so fiele dieBewegung zwischen Oberrhein und Donau , respektive zwischen Mann-I heim, Straßburg und Ulm , der Württembergischen Bahnlinie zu, dadieselbe um ein Bedeutendes kürzer als die Main - und Bodensee-bahn ist.

Ich handle lauter Dinge ab, über die das Publikum hin u. her rai-sonnirt. Nach meiner Meinung stehen die badische und baierische Bahnnach dem Bodensee noch in weitem Felde, auch dürfte sich Baden mit ei-ner Bodensecbahn leicht verrechnen und die Vortheile weit außer Verhält-niß zu den Opfern finden, da, wie mir scheint, Württemberg als diekürzeste Verbindungslinie zwischen Rhein und Donau durch jeneMaßregel immer noch nicht ganz aus seiner Vermittlungsrolle ver-drängt erschiene. Dagegen kann, wenn Baden bei Bruchsal oder .Pforzheim anschließt, der von Mannheim , Straßbnrg und Basel nachder Donau bestimmte Transport den badischen Bahnen in keinerWeise entgehen, und muß, da er sich auf einer kleineren Bahnliniekonzentrirt, die Ertragbarkeit derselben entschieden heben, so daß sich,