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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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aus diesem Gesichtspunkte die Sache betrachtet, leicht Gründe auffin-den lassen dürften, nach welchen sogar eine Verlängerung derbadischen E.B. über Kehl hinaus sicb als minder zweckmäs-sig erwiese, nachdem die Straßburg -Baseler-Bahn bereits als Kon-kurrentin einer kollateralen Rheinbahn besteht. Somit handelte Badengewiß nicht gegen sein Interesse, sich mit Württemberg über einenAnschluß zu verständigen, so wenig als Baiern, wenn es von Augs­ burg oder Donanwörth aus nach Ulm baute, theils weil cS dadurchseinem überrheinischen Landestheile näher rückt als auf jedem andernWege; theils weil es eher Hoffnung hat, die Menschenfluth, welcheeinen Theil des Jahres am Rheine sich bewegt, zu den Kunstschätzenseiner Residenz zu locken; theils endlich weil es sich dadurch den Waaren-zug, der seit uralten Zeiten auf den bisherigen Kunststraßen von Westenüber Ulm , Augsburg und München nach Oestreich und Italien geht,sicher erhält. Ucbrigens kann ich all diesen im Publikum umlaufendenGerüchten von Anschlußverweigerungen keinen Glauben schenken, viel-mehr erkläre ick mir, der Wahrheit wohl annähernder, die Sache so:die badische Regierung hat ihrem Lande gegenüber Verpflichtungeneingegangen, deren Ausführung bedeutende Geldlichste erfordert; siewill, ehe ein größerer Theil der badischen,Langbahn vollendet oderder Vollendung nahe gebracht ist, keine weiteren Verpflichtungen zuneuen Bahnen übernehmen, zumal als ihr die Württembergische E.B.-frage noch nicht einmal über das Ob hinausgekommen zu feyn scheint.Eine ganz andere Gestalt müssen die Anschlnßnnterhandlungen ge-winnen, wenn die württembergische Regierung und die Kammern ein-mal ihren definitiven Beschluß gefaßt haben, und wenn diesem Be-schlusse gleich die That auf dem Fuße nachfolgt. Dann läßt sich auchaus mehr als Einem Grunde mit Zuversicht annehmen, daß Badennicht länger zurückstehen werde. Ueber den Punkt, wo angeknüpftwerden solle, mögen immerhin fortgesezte Untersuchungen des Ter-rains und diplomatische Unterhandlungen das Nähere mit Muße be-stimmen, da jedenfalls die Ausführung einer Verbindungsbahn zwi-fchen Donau und Neckar mehrere Jahre wegnehmen wird, so daßdiese binnenländische, für den innern Verkehr Württembergs wesentlicheStrecke, als unabhängig von dem Anknüpfungspunkte auf der badischenGränze, ohne Verzug in Angriff genommen werden könnte. MitBauern scheinen vorerst noch gar keine Unterhandlungen wegen einesAnschlufies eingeleitet worden zu seyn. Hier bildet Ulm , dessen Festungs-rayon noch in ziemlicher Ausdehnung auf baierschcs Gebiet fallensoll, ein solches strategisches Moment des künftigen Anschlusses, daßvon dieser Seite keinerlei Grund vorhanden ist, den Angriff einerwürttemb. E.B. länger zu verzögern. Ueberhaupt ist Ulm als Bun-desfestung für den Anschluß Baierns und Badens entscheidend undmüßte, von allen kommerziellen Rücksichten abgesehen, den Ausschlaggeben, wäre man in diesem Augenblicke aufgelegt, der strategischenBedeutung der E.B.B. größere Aufmerksamkeit zu schenken. Daß