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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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129
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Ulm, als Festung gegen Frankreich gedacht, kein Schutz für Würt-temberg ist, daö liegt am Tage; es verwandelt vielmehr im Fall ei»ner Belagerung das Land in ein Fouragirungsdcpot des Feindes,waö schlimmer ist als ein Schlachtfeld. Ulm schüft allein Baiernund Oestreich; Württemberg kann nur in dem Gebirgswalle desSchwarzwalds und in Rastadt seinen Schild gegen Frankreich erken-nen. Um so unerläßlicher aber erscheint mir dann eine schnelle Kom-munikation beider süddeutscher Festungen, wei^r es gilt, einem feind-lichen Angriffe am Rhcinc gleich auf der Schwelle ins Haus zu be-gegnen und auf dem nächsten Wege aus Baiern und Oestreich eineimposante Trnppcmnacht dort zu konzentriren. Hiebei sind nun Ba-den und Baiern nebst Oestreich unmittelbar betheiligt. Für Badengestaltet sich eine Württembergische E.B., auf welcher es des schnell-sten Zuzugs der süddeutschen und nordöstlichen Bundcskontingenteversichert seyn kann, zu einem nothwendigen Komplement seiner, eige-nen Landeövertheibiguug; Baiern und Oestreich aber haben ein un-mittelbares Interesse, ihre Truppen so schnell als möglich an der Donau und am Bodcnsee. zu konzentriren, und deßhalb mit Ulm in E.B-verbindung zu treten. Auch eine württcmbergische Bodenseebahnscheint mir von großer strategischer Bedeutung zu seyn, und ich kannmeine Verwunderung, daß diese Seite derselben noch nirgends öffent-lich berührt wurde, nicht verbergen. Bekanntlich haben ausgezeichneteMilitärs, welche vor etwa 20 Jahren in der Debatte über die Be-festigung Ulms, Mannheims und Rastadts das Wort ergriffen, aufdie' Gegend am Obcrrhein und Bodcnsee als auf diejenige hingewie-sen, welche eines besonderen Schutzes gegen Frankreich bedürfe, undich las und hörte schon öfters die Ansicht ausgesprochen, daß einekünftige französische Invasion in Deutschland die vordere Schweiz zurOperationsbasis wählen dürfte. Ist diese Annahme begründet, sonimmt eine Ulm -Bodenseebahn den Charakter einer wahren Militär-straße an und tritt an die Stelle einer Festung, wie denn eine solchevon. mehreren Strategen in der südöstlichen Ecke des Schwarzwaldszwischen diesem Gebirge und der Schweiz wirklich schon in Vorschlaggebracht worden ist. Sonach muß ich sämmtliche württ. E.B.B. alsvorzugsweise strategische Straßen bezeichnen; und unter diesem Gesichts-punkte eignete sich, wenn ich die Sache recht verstehe, das württemb.E.B.wesen vorzugsweise zu einer allgemeinen Bundessache: in wel-chem Falle sofort alle Zweifel über den Allschluß Württembergs, anseine Nachbarstaaten gelöst erschienen. Inzwischen scheint es mir die-ser Intervention des Bundes zu dem genannten Zwecke zur Zeit nochnicht zu bedürfen, wenn es auch nicht lange mehr anstehen dürfte,daß die hohe Bundesversammlung, als oberste Militärbehörde Deutsch­ lands , in das deutsche E.B.wesen bestimmend eingreifen wird; denndaß sich der Bund bisher nicht eingemischt, berechtigt nicht zu derAnnahme, daß er der Sache nicht längst seine Aufmerksamkeit zuge-wendet habe. Er wird sein erstes Wort sprechen in dem Augen-Mihrlen, Eisenbahn«». 9