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welchen Grund hätte es noch zu gerechter Klage, da doch wider dieAnordnung der Natur (d. h. gegen die absolute Unmöglichkeit einerAlbbahn) keine gerechte Beschwerde zu führen ist, und was solcher-gestalt die königliche Regierung mit dem ganzen Lande für Ulm thun würde, mit aller Dankbarkeit zu erkennen wäre." Hierausmöchte man gar vermuthen, die Rems- und Brenzstädte seyen ge-sonnen, ihre Eisenbahn aus eigenen Mitteln zu bestreiten. — „JaUlm , das zuweilen Württembergs erste Handelsstadt genannt wird,hat bereits einen großen Theil seines o b e r schw äb i sch en, ins-besondere Waarcnvcrkehrs an Reutlingen abtreten müssen" — schö-ner Rückhalt an Oberschwaben ! — „seine Schiffahrt die Donau herab hat gegen früher bedeutend abgenommen" — um so mehrGrund, dieselbe wieder zu heben -- „seine unmittelbare Fabrikationerhebt eö nicht über manche andere würt. Städte" — warum wirdkein Name genannt? So viel mir bekannt, wurde Ulm der Vorzug,zweite Stadt des Landes zu seyn, noch von Niemanden bestricken,zweite Stadt durch seine Bevölkerung, seine Kapitale und seine Ge-werbe. Allein auch den Fall gesetzt, Ulm wäre nicht, was man sonstallgemein annimmt, die zweite Stadt des Landes, sondern die dritte,vierte — so hat es doch, wie keine andere, eine Bedeutung, unddiejenige Bedeutung, welche in der vorliegenden Frage den Auö-schlag gibt. Diese Bedeutung, theils als eine „Anordnung, als einGeschenk der Natur vorhanden, daS in der jetzigen Zeit von hohemWerthe ist," theils als daS Produkt intelligenter Wahl der Grün-der anzusehen — da eine Stadt zu erbauen, wo ein Strom vonäOO Meilen Länge, das Jünglingsgewand abwerfend, als ManninS praktische Leben eintritt und seine Kräfte dem Dienste naher undferner Völker widmet — theils durch die Intelligenz .des Fürsten sanktionirt, welcher Ulm seinem Königreiche gewann — diese Gunstder Lage Ulms und die daraus fließende Bedeutung Ulms für dasganze Königreich entgeht auch den Petitionären nicht, darf aber, wiees ihr Interesse mit sich bringt, nur sehr bedingt zugestanden wer-den, so daß einestheils die Thatsache: daß eine Rcms-Brenz-bahn den Ulmer Stapel nothwendig in die Hände Baiernsüberliefern müßte, gleichsam als Trost in eine bloße „Möglich-keit" verwandelt, anderntheilS, wenn dieser Fall wirklich einträte, derhieraus „erwachsende Verlust für Ulm selbst, dessen Transtto nachBaiern nur vielleicht '/,» bis V20 (eine weitschichtige Scala) seinesGesammtverkehrs bilden dürfte," für unbedeutend erklärt wird, nach-dem bereits erwähnt worden, „daß die Schiffahrt und Spedition dieDonau abwärts nach Oestreich bedeutend abgenommen habe."
Inzwischen wäre mit dem Allem noch nichts gewonnen; dieHauptsache ist, zu beweisen, daß die nach Ulm projektirteE.B. eineUnmöglichkeit sey. Demnächst führt die Petition, die (ich weißkeinen andern Ausdruck als) fire Jvee aus: daß das Terrain derAlb der Anlegung einer Schienenbahn sich gänzlich versage. „Noch
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