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land," wenn man sie mit den thatsächlichen und spezifischen Pandes-Verhältnissen bekannt machte, „einer gewissen Verwunderung sichschwerlich enthalten können," daß man die Brenzbahn wählte. Ober schwaben und Unterland sind zwei naiionalökonomisch verschiedeneLandestheile, welche in den mannigfachsten Bedürfnissen auf einanderangewiesen sind; ihre Verbindung muß also, wenn von einer LandeS-E.B. die Rede ist, welche inländische Zwecke befördern soll, vorzugs-weise inS Auge gefaßt werden. Eine Brenzbahn aber scheint mirnahezu untauglich, „auf eine natürliche und zweckmäßige Weise"diese Verbindung zu vermitteln.
3) Darf die Lage UlmS nicht außer Acht gelassen werden, wennes sich darum handelt, den Punkt zu bestimmen, an welchem diewürttcmb. E.B. an der Ostgränze auszukaufen habe. Es liegt inder Natur der Sache, daß man bei der Wahl einer Bahnrichtungdarauf sieht, Gränzstädte in die Linie hereinzuziehen, und man um-geht jene Gränzstädte nur dann, wenn eS sich schlechterdings nichtanders machen läßt; daher müßte Ulm , auch wenn es auf trockenerGränze läge, vermöge seiner Bevölkerungs- und Nahrungsverhält-nisse und vermöge seiner Lage zu Baiern und Oberschwaben bei ei-ner württ. E.B. jedenfalls in den Wurf kommen. Gebieterisch aberdringt sich diese Stadt der Berücksichtigung auf vermöge ihrer Lagean der Donau . Wenn Waaren und Menschen die Gränze einesLandes passirt haben, geht ihre Weiterschaffung in fremde Händeüber; stoßen sie aber an einem schiffbaren Flusse ab, um die Land-mit der Wasserstraße zu vertauschen, so können sie noch kürzere oderlängere Zeit in den Händen Derer bleiben, welche sie zuerst zu Flußgebracht haben, und man ist darüber einig, daß die Beschäftigungen,welcher mit dieser Art von Transport und Transportbcsorgung ver-knüpft sind, ebensosehr den Unternehmern vorthellhaft, als national-ökonomisch nützlich sind. Ein großes Beispiel dafür liefert die See-schiffahrt, in kleinerem Maßstabe zeugt jeder schiffbare Fluß dafür,welcher bevölkerte und gcwerbfleißige Länder verbindet. Nun hieße eSaber Verrath ant eigenen Interesse, Vortheile, welche Württemberg sich selbst zuwenden kann, aus Ausland abzutreten, was unfehlbargeschehen müßte, wenn eine württ. E.B. an der Brenz endigte, dadieß offenbar nichts anderes hieße, als den Transport, welcher aufder württ. E.B. nach der Donau sich bewegt, um von hier an dasSchiff zu nehmen, in baiersche Hände niederzulegen. Es wäre sogut als eine freiwillige Verzichtleistung auf die Donau ; der Schiff-fahrtbctrieb auf derselben wäre für Württemberg auf den Verkehrvon und nach Oberschwaben beschränkt, sänke zur Bedeutungslosigkeitherab, und Württemberg entzöge sich die Vortheile und den Ruhm,nach seinem Theil das große Werk der Emanzipation eines Flusses.gefördert zu haben, den Oestreich seit zwölf Jahren den rühmlichstenVorgang gemacht hat, seiner Fesseln zu befreien. Ich glaube beiLeuten, welche die Ereignisse ihrer Zeit im Zusammenhange auffassen