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und im Heute einigerniaßen das Morgen begreifen, nichts'zu wage»,.wenn ich behaupte, daß die Donau im Verkehre des südlichen Deutsche lands und der osteuropäischen Länder noch eine große Rolle zu spi^len bestimmt sey. Die Völker deS mittleren und unteren Donau -laufö, Völker von vorherrschend orientalischem Typus — sie fange»an, aus ihrer Starrheit zu erwachen und öffnen mehr und mehr derCivilisation und den Lebenskünsten der gebildeten Staaten Europa's den Zutritt. Reich an Geschenken der Natur, werden sie dieselbenim Fortgange ihrer Bildung mit steigender Thätigkeit und immer glück-licherem Erfolg nutzen, immer reichere Tauschwerthe erzeugen und dasvermehrte Bedürfniß im Austausch mit fremden Völkern befriedigen.Die Donau ist es, welche jezt schon einen Theil der Fabrikate, derendie ackerbauenden Staaten Ungarns , der Moldau und Wallachei,Bosniens und Serbiens bedürfen, dahin schafft, und mannigfacheRohstoffe dieser Länder zurückbringt. Aber eine noch weit wichtigereMission ist diesem Strome aufbewahrt: die Verbindung Europa's ,insbesondere Deutschlands , mit dem Oriente. Ich spreche nicht vonTräumen, sondern von einer Wirklichkeit, welcher die östreich. Donau -dampfschiffahrt bereits glücklich die Bahn gebrochen hat. Im I. 1830von W-ien auf- und abwärts beginnend, wurde diese Schiffahrt 1833schon über Preßburg , Pesth bis Semlin und Belgrad , 1837 aufwärtsüber Linz hinaus nach Regenöburg und abwärts wieder von Orsowa ins schwarze Meer bis in den Hafen von Konstantinopel fortgeführt,1839 die lezte Schwierigkeit besiegt, eine regelmäßige Fahrt auchzwischen Belgrad und Orsowa herzustellen, und endlich der Versuchgemacht, stromaufwärts von Regensburg bis Ulm vorzudringen. Manwürde sehr Unrecht thun, aus dem Mißlingen deS lcztgenannten Ver-suches zu schließen, daß der Strom , auf dieser Strecke seines Laufessich überhaupt der Anwendung von Dampfbooten versage; wer aufsteinigen Wegen fällt, darf nicht angesehen. werden, als könne erauch auf ebenem Boden nicht gehen. Vielmehr zeugt der mißlungeneVersuch vor der Hand nur davon, daß man den Strom seit Jahr-hunderten seiner Verwilderung überlassen und eigentlich noch nie ernst-lich daran gedacht hat, ihn für dauernde Verkehrszwecke herzurichten,Baron Ferussac, der schon vor zwölf und mehr Jahren über dieDonau schrieb, weiß sich die unbegreifliche Vernachlässigung, die völ-lige Verkennung der hohen Interessen, welche für die Userstaaten anden Besitz dieses Stromes sich knüpfen, nicht anders zu erklären,„als durch die Apathie der Bewohner jenseits des Rheins," undwenn sich Oestreich seitdem von diesem Vorwürfe glänzend gereinigthat, so ist doch auf anderen Seiten noch eine solche Gleichgültigkeitdes Publikums gegen die Sache zu bemerken, daß Ferussac nochfortwährend Recht behält. Der obere Lauf deS Flusses vom Punkteseiner Schiffbarwerdung an bedarf gründlicher Korrektionen, umder Schiffahrt einen ungehinderten Betrieb zu sichern. An Wasserfehlt es nicht; weit kleinere Flüsse werden mit Dampsbooten befahren;