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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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das Strombett ist zu reguliren. Wird diese Abhülfe im InteresseBaierns und Würtembcrgs vorgenommen, so ist die Ausgabe gelöst,»von Ulm in direkter Fahrt den Handelstransport bis nach Kon-stantinopel, Kleinasien und Egypten zu führen;" (Steinbügel,Neueste Dampfschiffahrt von Wien nach Trapezunt, Wien 1838)jedenfalls ist an einem Strome von 400 Meilen Länge, welcher, inSHerz von Deutschland leitend, dieses und den ganzen Westen Eu-ropa's mit dem Oriente in geradester Linie verbindet, Ulm der ersteStapelplatz, um Waaren zu weiterer Beförderung, wenn auch nurnach Wien , in Empfang zu nehmen: ein Vortheil, dessen es übri-gens jetzt schon genießt und der rhm nothwendig gesteigert werdenmuß, wenn es in direktester Richtung vom Rheine her eine E.B.an seine Thore knüpft.*

4) Kann ich nicht umhin zu wiederholen und.immer zu wieder-holen, daß eine Albbahn kein fremdes Interesse stört, beeinträchtigt,vernichtet, keinem Orte bestehende, wohlerworbene Rechte entzieht.Es bleibt Alles in gewohnter, alter Ordnung bestehen; es wirdnichts verrückt; Niemanden erwächst ein Schaden, Niemanden ent-geht ein Gewinn, der ihm nicht auch bisher entgangen wäre, da-durch entgangen wäre, daß die Straße von Stuttgart nach Ulm über die Alb eben diejenige ist, auf welcher seit alten Zeiten derHauptberkehr des Landes sich bewegt.

Somit hat Würtemberg, will es mit einer E.B. den Anfangmachen, welche allgemeine und besondere Verkehrszwecke gleich sehrerfüllt, nach meiner Ansicht die Linie von der badischen Gränze an(da wo die gegenseitige Uebereinkunft den Anknüpfungspunkt festse-tzen wird) durchs Neckar - und Filsthal über die Alb nach Ulm undvon da an den Bodensee zu verfolgen. Lägen diese Zwecke auf derRoute Freudenstadt , Horb , Rottenburg , Reutlingen , Urach , Münsin-gen, Ehingen , oder auf der Route Hcidenheim, Aalen , Gaildorf ,Hall, Künzelsau , Jartfeld rc. mit eben der Entschiedenheit zu Tage,mit welcher sie auf der Linie zwischen Neckar und Donau auftreten,so bin ich versichert, daß diese Städte, vorausgesetzt das Terrain er-laubte eine Schienenbahn und die Bevölkerungsverhältnisse sichertendie gehörige Frequenz, die E.B. bei sich erblicken würden. Nun feh-len ihnen aber die Bedingungen, welche eine würtb. E.B. alleinrechtfertigen können, gerade in dem Maße, in welchem sie dort vor-handen sind, es folgt also wohl, daß mau da baue, wo das Unter-nehmen vorzugsweise indicirt ist. Neid, Eifersucht rc. wären hie-

* Der Raum verbietet es mir, auf eiue weitere Erörterung dieses Donauthema's> einzugehen. Ich verweise auf die Schrift Steinbügels, welche sämmtliche Ver-hältnisse, die bei Betrachtung der kommerziellen Wichtigkeit dieser Wasser-straße zur Sprache kommen können, abhandelt. So viel wird man mir, wennman, ber Wirklichkeit zum Trotz, an eine künftige ausgedehnte Berbin-, Ä ch^mchlands mit dem Oriente mittelst der Donau nicht.glaubt viel-leicht eher zugeben, daß die Donau , sind nur erst noch mehr Dampfboote aufdem oberen Lause im Gang, ein Lurusstrom wie der Rhein werden werde.

Mährlen, Eisenbahnen. 10