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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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bei sehr am unrechten Platze; sie hätten sich offenbar einige Jah^Hunderte früher geltend machen und entweder das Reckarthal okkupr-ren oder nie zugeben sollen, daß sich daselbst ein großer, Städte grün-dender und Städte erweiternder Verkehr bilde. Denn was ist es-was Städte groß macht? Gunst der Lage und Fleiß der Bewohner;öfters jene als dieser. Neid auf die Vortheile und Vorzüge großerStädte erscheint immer lächerlich und lautet gerade, wie wenn die Ka-pellen sich beklagen wollten, daß sie keine Kathedralen geworden sind-Es heißt aber offenbar diesem Neide und den kleinlichsten Empfind-lichkeiten Nahrung geben, es heißt dem Publikum die Auffassunghöherer und allgemeinerer Gesichtspunkte erschweren, wenn man, dieSchädlichkeit der E.B.B. für den Nahrungsstand kleiner Städte be-hauptend, hinzufügt:daß weniger bedeutende Orte gegen die großenStädte ohnedicß im Nachtheil stehen." Beruht der Nachtheil etwadarin, daß die Bürger kleiner Städte leichtere Steuerzettel, wohlfei-lere Preise für Unterhaltsmittel und Standesbedürfniffe bezahlen?Freilich wäre es schlimm, wenn der Großstädter für feig theuresPflaster nicht wieder durch eigenthümliche Vortheile entschädigt würde-Wozu also die Anspielung auf groß- und kleinstädtische Glückseligkei-ten, die in Fragen vorliegender Art schwache Gemüther nur verwir-ren und böses Blut machen muß. Weit nützlicher wäre es gewesen,mit ein paar Worten auch die Nachtheile anzudeuten, denen da?Land ohne E.B. sich aussetzen würde, dem Stande der Frage weilangemessener wäre die Ermahnung gewesen: daß nur das vollsteund unbedingteste Vertrauen in die gemeinnützigen Absichten der Re-gierung die für Würtemberg in kommerzieller und finanzieller Hin-sicht so wichtige Frage über E.B.B. zu einem erfreulichen Ziele füh-ren werde.

Demnächst bleibt mir noch übrig über die

Nothwendigkeit und Nützlichkeit einer würtb. Eisenbahnmeine Ansicht zu entwickeln.

Es lassen sich in Würtemberg und so vermuthlich auch ander-wärts dreierlei Ansichten oder Parteien hinsichtlich der EBB. unter-scheiden: Ultra, Bewegungöpartei und Centrum. Die Ultra, Anhän-ger des Alten, lauäatores temporm aoti, sind dem ganzen E.B.weftngram. Die Erfindung paßt ihnen nicht mehr in ihre Anschauungs-und Empfindungssphäre hinein, und sie prophezeien Verderben denSitten, den Finanzen, den Nationen. Fast alle älteren, bejahrtenPersonen zählen hieher. Früher, als sie noch jung waren, begrüß-ten sie jede Reift- und Transportvervollkommnung ihrer Zeit nsitJubel, und schmähten so wacker auf die Schneckenpost, als jetzt amdie Sturmesgeschwiudigkeit der E.B.B. Das liegt im Alter. 3"sich gesättigt, meint man da, auch das Leben müsse seinen Sätti-gungspunkt erreicht haben. Aber dieses Rad rollt, von jugendlichen Kräf-ten getrieben, unaufhaltsam vorwärts. Ich finde diese Ordnung der