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über sich gewinnen, der Souveränen Regierungsgewalt iin Interesseeiner allgemeinen großartigen Idee in denjenigen Zweigen der Staats-verwaltung Abbruch zu thun, welche die Eristenzmittel der Staats-maschine so wesentlich berühren? Wer sollte zuerst und gleichsam ameigenen Leibe die Probe vollziehen, ob und wie das selbsteigene, seitJahrhunderten in festen Geleisen sich bewegende und in dem Absperrungs-systeme erstarkte Staatsintercsse zu einem nationalen Interesse stimme?Keine große That ohne Resignation, ohne Muth. Württemberg machte den ersten großen Versuch und brach mit seinen beiden Kon-trahenten die Bahn zu jener unbedingten wechselseitigen Verkehrsfrei-heit, welche die Grundidee des deutschen Zollvereins bildet. Es seztesein eigenes Wohl ein, um im Namen des ganzen Vaterlandes dieProbe der Nützlichkeit oder Schädlichkeit zu machen und gab durchdie That seines Vorganges zur spätern kommerziellen und industriel-len Vereinigung der deutschen Stämme das geistige Prinzip her:den Muth des Entschlusses und die Grundlagen des Bundes. Istes denkbar, frage ich, daß es jezt zurückstehe, wo es gilt, der Nationdas materielle Prinzip ihrer kommerziellen und industriellen Einheitzu Theil werden zu lassen? Ich breche ab: denn jedes weitere Wortmüßte als überflüssig erscheinen. Hier die Linien, durch welche Würt temberg sein Land einem nationalen Verkehre zu Diensten stellt, aufwelchen es seinen Zusammenhang mit den Bundesgliedern und dieVerbindung dieser untereinander zu vermitteln den Beruf hat.
Die Physische und politische Konfiguration Württembergs ver-weist die kommerziell-geographische Bestimmung des Landes auf einPaar'Hauptlinien, die mit wenigen Strichen zu zeichnen sind. ImWesten ist Württemberg von dem Thale des oberen Rheins durchein hohes Gebirge, den Schwarzwald , getrennt, der nur in seinennördlichen Ausläufern zn niedrigen Sätteln sich verflacht, im Südenaber, an der Quelle der Donau , nach Osten umbiegt und als rauheAlb dem linken Ufer der Donau entlang, in nordöstlicher Richtung,bis zum fränkischen Landrücken sich fortsezt. In dem Winkel, dendiese Gebirge bilden, liegt der Haupttheil des Landes eingezwängt,nur nach Norden völlig offen und mit den Gauen des Rheins undMains durch den Neckar und die nur die Gränzen streifende Tau-ber in freier Verbindung stehend. Dieser Winkel im westlichen Süd deutschland bildete seit Jahrhunderten den Durchgang vom Rheine jur Donau und umgekehrt, da jede andere, die beiden Gebirge um-gehende Straße einen ansehnlichen Umweg bewirken würde. DerVerkehr, welchen Württemberg auf dieser Linie vermittelt, ist vonBedeutung, da seine nordwestliche Gränze dem Rheine gerade da sichnähert, wo dieser Strom anfängt für die Schiffahrt von Wichtigkeitzu werden, während die südöstliche Gränze an die Donau da stößt,wo diese zum erstenmale der Schiffahrt dienstbar wird. Es bildetdieß die Hauptlinie, welche Württemberg von seiner nordwestlichenzur südöstlichen Gränze im Interesse der Nation und deS allgemeinen