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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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Donau mittelst Thalfahrt nach Kellheim, als von Mainz mittelsteiner Bergfahrt von 16 Meilen bis Bamberg und mittelst des Ka-nals von 91 Schleusten nach Kellheim. Dagegen gewährt der Trans-port von Kellheim nach Mainz wieder eine wünschenswerthere Trans-portgeschwindigkeit, weil die Waare auf dem Main mit Thalfahrtin den Rhein gelangt. Ueberdieß erwachsen für jede durch Konkur-renz von Fluß- oder Kanalfahrt. bedrohte E.B. Vortheile aus derdurch die Jahreszeit herbeigeführten Unterbrechung der Schiffahrt. Ja,irre ich nicht, so dürste sich die Konkurrenz zwischen Wasserstraßenund E.B.B. im Laufe der Entwicklung der lezteren auf eine eigen-thümliche Weise gestalten. Der leichte, zu jeder Jahreszeit ungehin-derte Bezug von Waaren, welcher durch E.B.B. möglich gemacht ist,scheint mir nämlich die Folge zu haben, daß Käufer und VerkäuferWeit weniger, als es bis jezt der Fall seyn mußte, sich bemühenwerden, ihre Bezüge und Versendungen nur auf die guten Jahres,Zeiten zu richten; sie werden vielmehr, ganz unabhängig von diesenNatürlichen Einflüssen, nach dem augenblicklichen Bedürfniß und Be-lieben ihre Geschäfte einrichten, und da sie zu jeder Stunde über einTransportmittel disponiren können, welches mit der größten Ge-schwindigkeit ihre Anordnungen vollzieht, so werden sie ihr Kapitalbis zum Augenblick des Bedarfs in Händen behalten und sich Zin-sen ersparen. Hiedurch werden Flüsse und Kanäle an ihrer national-ökonomischen Wichtigkeit nichts einbüßen, aber den E.B.B. muß eiwvermehrter Transport in solchen Jahreszeiten zufallen, wo jene außerAktivität gesczt sind. Auch die badische E.B. von Mannheim nachBasel kann der Württembergischen Verbindungsbahn zwischen Rhein .Und Donau keinen Abbruch thun, und mit Zuversicht hat die leztereauf den Transit derjenigen Waaren zu rechnen, welche von Straß­ burg an die Donau oder vom Rhein her nach Oberitalien gehen,da dieselben, in Mannheim zur E.B, gebracht, ohne Unterbrechungbis Friedrichshafen geschafft werden, während sie die badische E.B.bei Basel wieder der Landstraße überlieferte. Ueberdieß ist der Wegvon Mannheim über Württemberg nach Bregeuz kürzer als der demDberrheine nach. Nur eine baiersche Main -E.B., eine badische undbaierische Bodenseebahn, endlich eine schweizerische E.B. von Schaffhau-fen durchs Thurgau nach dem Rhein müßte den württemb. Transituns eine empfindliche Weise berühren und denselben, wenn Württem­ berg keine E.B. baut, völlig an sich ziehen. Bekömmt dagegen unserLand eine E.B., so kann ihm, auch wenn jene Voraussetzungen ein-trete», der Transit vom Rhein nach der Donau und umgekehrt sowenig ganz entzogen werden, als er ihm bisher durch die Chausseender Nachbarstaaten entrissen werden konnte.

Inzwischen darf man sich nicht verhehlen, daß der durch E.B.B.besorgte Transit weitaus weniger Hände beschäftigt, als dieß beimChausseetransport der Fall ist. Eine E.B. schlägt auf ihrer Routealle sonstigen Transportgeschäfte aus dem Felde und . hat weder Pas-