Buch 
Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
Entstehung
Seite
154
JPEG-Download
 

iS4

sagiere, Knechte, noch Pferde, welche beliebig in den Wirthshäusernan der Straße einkehren. Mancherlei Beschäftigungen und Gewerbe,welche sich auf der von der E.B. nunmehr in Besitz genommenenRoute eingebürgert hatten, hören daher theils auf, theils werden sieauf andere Punkte verlegt, theils müssen sie in der stattfindendenHebung des in die Bahnlinie einmündenden Seitenverkehrs Ersatzsuchen. Auch die Spedition erleidet eine Schmälerung. Es istnämlich mit einer der Vorzüge der EBB-, daß sie Käufer undVerkäufer in unmittelbare Beziehung mit einander setzen/ auf eineArt, wie dieß bei den Postanstalten der Fall ist. Eine Menge derbisher nöthigen Mittelspersonen und Vermittlungsgeschäfte werden be-seitigt, da die Besorgung der Waare vom Orte ihrer Aufgabe biszu dem ihrer Bestimmung druck die E.B.verwaltung geschieht, diedenn freilich wieder dazu ihr eigenes Personal nöthig hat, so daßein Theil der auf einer Route brodlos gewordenen Personen bei demTransportdienste der E.B. wieder Unterkunft finden kann und, beisonstiger Tauglichkeit, von der Verwaltung billigerweise auchberücksichtigt werden sollte. Inzwischen bleibt auf Punkten, wodie Waare entweder auf die Landstraße oder auf den Fluß über-geht, eine Umladung und weitere Konsignation nach wie vor uner-läßlich, so daß den Städten Ulm , Kannstadt, Heilbronn , Friedrichs-hafen der Umfang ihrer Speditionsgeschäfte wohl ungeschmälert er-halten bleiben wird.

2) Ist eine württemb. E.B. die Bedingung, unter welcher daSLand allein im Stande ist, seine eigenen Verkehrsbeziehungen zum Aus-lande ausrecht und mit dem Auslande industriell Schritt zu halten.Ich finde diesen'Punkt in einem Aufsätze des Schwab. Merkur vom1. Sept. 1841 erörtert und erlaube mir, die Stelle hieher zu setzen.Sie lautet:Ungeachtet der Kaufmann, der Landwirth , der Gewerbs-mann, der Spekulant und Rentier jezt so schnell und sicher die Mit-theilungen seiner Geschäftsfreunde aus Frankreich und England er-hält, als noch vor fünfzig Jahren die Regierung die offiziellen Be-richte ihrer Beamten aus einem mäßig entfernten Oberamte, so ge-nügt doch Alles, was wir jezt an Schnelligkeit, Bequemlichkeit undWohlfeilheit der Verbindungen haben, nicht mehr, weil noch Besse-res aufgefunden und auswärts eingeführt worden ist, oder ein-geführt wird; denn die Schnelligkeit aller dieser Verbindungsmittelist relativ. Bei dem heutigen Stande der Dinge aber kann keinLand, kein Stand ungestraft zurückbleiben gegen andere Staaten odergegen auswärtige StandeSgenossen in einer neuen Erfindung, wennman sich nicht selbst aller der Vortheile berauben will, die das Neuebietet, ja noch mehr, wenn man sich nicht dem Verluste des Bishe-rigen aussetzen will. Der fortschreitende Aufschwung aller Gewerbe,ja die fortgehende Entwicklung aller gesellschaftlichen und bürgerlichenVerhältnisse ist in unseren Zeiten durchaus undenkbar ohne eine di-rekte und schnelle Verbindung mit den socialen Verhältnissen aller