Buch 
Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
Entstehung
Seite
155
JPEG-Download
 

übrigen Länder des Festlandes. Nehmen wir an", daß man sichdurch die Schwierigkeiten, die bei uns den E.B.B. entgegentreten,zurückhalten lasse, sich an die auswärtigen anzuschließen, welche inden nächsten Jahren rings Württemberg umgeben werden: wiesollte da noch ein Schritthalten mit dem Auslande möglich seyn?Württemberg hat schon jezt, gegenüber manchen anderen Ländern,durch seine geographische Lage mit vielen gewerblichen Hindernissenzu kämpfen, und in manchen Geschäftszweigen macht nur die ange-strengteste Thätigkeit und Solidität unserer Landsleute es möglich,mit Erfolg die ausländische Konkurrenz, welche glücklichere Konjunk-turen für sich hat, zu bestehen. Würden aber die Verhältnisse allzuUngünstig, so wäre zu fürchten, daß in vielen Fällen die Konkurrenzdes Auslandes nicht mehr bestände» werden könnte, und manchesGeschäft, das jezt mit Glück bei uns betrieben wird und viele fleißigeFamilien ernährt, sich ins Ausland an die E.B.B. ansiedeln würde.Der Handel, die Fabrikthätigkeit, in manchen Fällen selbst die land-wirthschaftliche Betriebsamkeit (Verkauf der Oelgewächse, Hopsen,Wolle rc.) sind heut zu Tage so sehr auf die Spitze getrieben, daßdas Versäumen auch nur eines Tages oft das bedeutendste undVortheilhafteste Geschäft unmöglich macht, oft selbst den empfindlichstenVerlust , herbeiführt. Der Betrieb der Bankgeschäfte gehört jedenfallsUnter diejenigen, welche die allerschnellsten Verbindungsmittel mitanderen Ländern, erfordern. Ohne Eisenbahnen würden wir hier inStuttgart die Nachrichten, Kursberichte rc. aus dem ganzen Norden,die uns über Frankfurt zugehen, erst dann erhalten, wenn der Kauf-manns- und Gelverbestand nicht blos in Karlsruhe, Straßburg rc.,sondern selbst der viel weiter entfernte, aber an der Bahn gelegene,in Basel rc. dieselbe nicht allein schon lange erhalten, sondern auchseine Maßregeln an Ort und Stelle bereits genommen, seine Ent-schließung darauf mit der, jeden Tag 4—5mal ihm gebotenen, Ge-legenheit durch die E.B. bereits wieder nach Frankfurt, Holland oderEngland abgesendet hätte. Der gleiche Fall tritt für alle anderenGegenden ein, sobald die E.B.linien sich einmal die Hand bieten.Wir lesen so oft, welchen Werth einzelne Landestheile, die mangel-hafte Postvcrbindungen mit der Residenz und den bedeutenderen in-und ausländischen Orten haben, aus eine solche Verbindung legen,wie sie dem Mangel solcher täglichen Verbindungen das Zurückblei-ben ihrer Gegend Schuld geben. Wenn nun aber für eine AmtS-stadt eine solche tägliche Verbindung für nothwendig erachtet wird,um nicht gegen andere zurückzubleiben, so tritt, sobald in anderenLändern die E.B.B. hergestellt sind, selbst für die Hauptstadt, füralle übrigen Städte das gleiche Verhältniß ein: sie werden gegendas Ausland, selbst bei täglicher Verbindung, eben so sehr im Nach-theile seyn, als die Orte, die gegenwärtig über eine nur ein- oderzweimalige wöchentliche Verbindung klagen. Denn ihrer täglicheneinmaligen Verbindung hat dann das Ausland eine 3-, 4—Smalige