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Nachtheiligung der Verkehrsbcziehnngen zum Auslande und, was hier,aus folgt, Benachtheilung vieler Geschäftszweige, Ucberflüglung durchsAusland, Verlust des Durchzugs und des Besuchs von Fremden —dieß müßte die unausbleibliche Folge seyn, wenn Württemberg einerVervollkommnung seiner Transportanstalten sich entschlüge, währendseine Nachbarstaaten derselben sich bedienen. Nur diese nationalöko-Nomischen Momente fasse man ins Auge; von dem Einflüsse aufKultur, aus politische Stellung, zwei geistigen Potenzen des Völker-lebens, will ich gar nicht reden. Die Gegner einer württ. E.B. sindim Namen des Landes aufgefordert, das Gegentheil zu beweisen; sasie versuchen nur den überzeugenden Beweis dafür zu führen: daßWürttemberg ohne eine E.B. im Stande seyn werde, sich in seinergegenwärtigen nationalökonomischen Stellung zu den übrigen Staa-ten des Zollvereins zu behaupten.
Gehen wir zu anderen Dingen über. Die Meisten sehen eineWürib. E.B. vorzugsweise als eine von Außen auferlegte harte Noth-wendigkeit an. Daran ist etwas Wahres. Wenn man nicht in ganzDeutschland mit Errichtung von E.B.B. sich befaßte, Württembergwürde wohl nie den Anfang gemacht haben, selbst wenn die Erfin-dung ein württembergisches Prödukt gewesen wäre. Allein jene An-sicht ist unrichtig, sobald sie nichts anderes besagen will, als daßdie Erhaltung unseres ungeschmälerten Zusammenhangs mit dem Aus-lande der einzige Nutzen einer würtb. E.B. seyn werde. Dann würdenwir allerdings das große Opfer mehr dem Auslande als uns selbst brin-gen. Allein ich habe eine andere Ueberzeugung gewonnen und glaubenachweisen zu können, daß die positiven, die nationalökonomischenVortheile, welche das Land aus dem Besitze einer E.B. für seineninnern Verkehr und Austausch, für die ausgedehntere Nutzung seinerBoden-, seiner Natur- und Arbeitskräfte und daraus für die Erhö-hung seines Nationaleinkommens sich berechnen darf, den mehr nega-tiven Vortheil bei weitem übertreffen, welcher in der bloßen Erhal-tung des 8tatu8 guo gesunden wird. Ich werde nicht umhin könnenmit Zahlen aufzutreten; allein wenn ich mir im Bisherigen der ge-wissenhaftesten Angaben und der nüchternsten Anwendung von Ziffernbewußt bin, so hoffe ich auch im Nachstehenden den Vorwurf vonllebergriffen nicht auf mich zu laden.
Der innere Handel jedes Volks ist weitaus der ausgedehntesteund wichtigste, und so gewiß ohne auswärtigen Absatz die gesummteProduktion eines Landes geringer seyn würde, da nur die Ausfuhrden Impuls gibt, einen Ueberschuß über eigenen Bedarf zu erzeugen,eben so gewiß sind die blühendsten, hinsichtlich ihres Wohlstands ge-sichertsten Staaten diejenigen, in welchen der Binnenhandel die größteLebhaftigkeit erreicht hat. Dieser Binnenhandel, welcher in seinemWeiteren Begriffe den Absatz der Erzeuger an die Verzehrer, den Ver-kehr zwischen den Städten und dem platten Lande in. sich begreift,
Mährten, Eisenhahnen. 11