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Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
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1) daran, daß Oberschwaben eine größere Menge seiner Pro-dukte dem Unterlande zuschicken und von diesem nehmen wird: einTransport, welcher der ganzen Bahnstrecke zufällt. Unter erstere rechneich insbesondere Getreide und Schnittwaaren, unter leztere Gyps,Steinsalz und Bausteine. Man schreibt mir von dort:der Ver-brauch an Gyps ist seit neuerer Zeit in der Landwirthschaft bedeu-tend geworden und wird es nach der Versicherung der Landwirthenoch mehr werden, wenn sich der Preis niedriger stellt." Steinsalzkostet in Biberach l'/r kr. per Pfund, 2 fl. 30 kr. per Ctr. Billi-gere Fracht wird auch diesem Artikel dort größere Verbreitung ge-ben. Bekannt ist, daß Oberschwaben und die Umgegend von Ulm an Bausteinen Mangel leidet. Man bezieht dieselben, je nach der

vorgeschlagene Konstruktion einer Pferdebahn aufnierksam, welche in einemSchienengeleisc besteht, von dem jeder Wagen mit der nöthigen Spurweite Ge-brauch machen kann. ^»»Vorausgesetzt wird, daß der

Transport in eigener DM Administration und durch eigene

Pferde geschehen müßte und sonach die Bahn zwar für jedes fremde Fuhrwerk,nicht aber für fremde Pferde zugänglich seyn dürste. Unter dieser Bedingungallein wäre es möglich, vorkommende Kollisionen der Gütertransporte mit denPersonentransporten ungeachtet ihrer verschiedenen Geschwindigkeiten zu verhin-dern und bei der Verschiedenheit des Nivellements die nöthige Ordnung im Vor-spannen zu erzielen. Man erreicht durch diese Einrichtung: daß die Bahn mitder größten Leichtigkeit von Fuhrwerken aller Art benuzt werden, daß dagegendie Anzahl der zur Bahn gehörigen Wagen auf ein Minimum reduzirt werdenkann; daß ein großer Theil der Unkosten für Umladen und Stationiren der Gü-ter wegfällt und endlich daß jede gewöhnliche Landstraße auf die Bahn einmün-den, mithin als Verzweigung oder Fortsetzung derselben betrachtet werden kann,so lange die vorhandenen Mittel nicht erlauben, dieselben mit eisernen Geleisenzu versehen."

Die Vorzüge dieser Konstruktion springen in die Augen. Man bringt z. B.den bepackten Wagen mit eigenen Pferden zur Bahn, die denselben mit denPferden der Verwaltung nach Ulm fördert, wo man nur wieder Pferde anzuspan-nen braucht, um ihn nach jeder Richtung aus der Landstraße weiter zu bewegen.Man erspart sich also das Umladen ic. Allein Hiebei erheben sich mir docheinige Bedenken, die ich nicht unterdrücken kann. Der Wagen muß leer wiedernach Stuttgart zurückgebracht werden; es früge sich, ob die Fracht für die Rück-fahrt des leeren Wagens oder das Umpacken theurer ist. Sofort scheinen mirFuhrwerke, welche diese Pferdebahn benützen wollen, außer der nöthigen Spur-weite auch im Eisen stärker sey» zu müssen, weil eine Geschwindigkeit von zweiMeilen per Stunde die Achsen so crhizt, daß leicht ein Unglück entstehen kann.Sind aber die Wagen stark genug für die Pferdebahn, so sind sie zu schwer fürden Gebrauch auf der gewöhnlichen Landstraße. Herr Etzel hält endlich eineGeschwindigkeit von S Meilen per Stunde für Württembergische Bedürfnisse fürhinreichend sL. 14),da dem Vergnügungsreiscnden eine solche Geschwindigkeitdurch das fruchtbare blühende Württemberg eher zu groß als zu klein, und dieZahl Derer, welche im inländischen Verkehr mit höherer Geschwindigkeit reisenwollen, sehr klein sey, indem die Zeit in Württemberg unendlich geringern Werthhabe, als in England, Belgien rc." Es hindert nichts diese Geschwindigkeitauch mit Lokomotiven zu erzielen, und zwar mit einer Ersparniß an Brennmate-' rial u. s. w. Wie ich übrigens vernehme, so hat Herr JngenieurEtzel in Folgeder großen Ausdehnung, welche das Lokomotiv -E.B.wcsen in Deutschland ge-wonnen, seine frühere Ansicht, daß für Württemberg eine Pferdebahn genüge,geändert.