Buch 
Die Bedeutung der Eisenbahnen für den deutschen Zollverein mit besonderer Rücksicht auf Württemberg / von J. Mährlen
Entstehung
Seite
185
JPEG-Download
 

183

Ländern einer württemb. E.B. zu lieb den Weg über unser Land zunehmen" was die Heilbronner Eingabe bezweifelt.

3) muß die Bevölkerung, welche längs des Bahnzugs wohnt, nochin Betracht kommen. Man hat eine dreifache Methode, den Perso-nenverkehr, der sich auf einer E.B. erwarten läßt, zu schätzen. 1) Mannimmt, nach amerikanischen Erfahrungen, die längs des Bahnzugswohnende Bevölkerung in verdoppelter Zahl an; 2) man verdoppeltdie Einwohnerzahl der Stationsorte der E.B.; 3) man verdreifachtdie Durchschnittszahl der Reisenden, welche in den leztverflossenen dreiJahren auf der Chaussee gereist haben.

1) erhalten wir 99258 Einw., in runder Summe 100000Einw.; nämlich in Städten ortsanwesende Einwohner: Stutt­ gart 38727, oder mit den eingebürgerten Dorfschaften (Berg w.)-12217; Kannstadt 5451, Eßlingen 8853, Göppingen 5490, Geiß-lingen 2216, Ulm 16231 zusammen 80458; in den Dörfern18800, wobei zu den an der gegenwärtigen Landstraße gelegenenOrtschaften nur noch Ueberkingcn und Wiesensteig geschlagen sind,an welchen die E.B. vorüberführt. Somit ergeben sich 100000si- 100000 200000. Der Kritiker der Rentabilitätsberech-nung (K., Schwäb . Merkur 23. Dez. 1841) macht eine Ausstellungüber die Worte:längs dcS Bahnzugö." Er sagt:Sind bloß dieOrte gemeint, welche von der Bahn berührt werden, so läßt sichnicht sagen, daß zwischen Stuttgart und Ulm weit über 100000Menschen wohnen; sind aber auch diejenigen gemeint, welche rechtsund links der Bahn liegen, so kann man rechts und links beliebigausdehnen, und so gelangt man zu jeder beliebigen Zahl." Mandarf nicht nur das rechts und links ausdehnen, sondern 'man mußes ausdehnen. Dieß beweise ich aus einem physischen Gesetze, ver-möge dessen ein Thalfluß alle Quellen und Bäche, welche von denAbhängen der das Thal begränzenden Gebirge Herabrinnen, ansam-melt. Man blicke auf die Karte; es ist eine physische Nothwendig-keit, welche die auf den Höhen und in den Seitenthälern des Neckar -nnd Filsthals wohnenden Menschen nöthigt, in den gemeinschaftli-chen Verkehrskanal einzumünden, wenn sie nach irgend einer Rich-tung der Bahntrace Verkehr treiben wollen. Ich behaupte daher,daß man nicht nur die Oberämter Kannstadt , Eßlingen , Göppingen und Weißlingen ganz, sondern daß man auch einen bedeutendenTheil der Oberämter Schorndorf , Kirchheim , Gmünd, Heidenheim ,Blaubeuren und Ulm in Berechnung ziehen muß: da z. B. demDonzdorfcr, Weisenstciner, Wiesensteigcr, der nach Stuttgart , demSchorndorser, Kirchheimcr, Gmnndcr, der nach Ulm will, kein ande-rer Weg übrig bleibt als das Neckarthal und die Geißlinger Steige,so daß mithin diese Route an sich schon durch ihre physische Beschaf-fenheit und ganz abgesehen von einer E.B. als Magnet auf denSeitenverkehr wirkt. Anders verhielte sich's, wenn die E.B. durchein plattes Land ginge, wo nach allen Richtungen hin die Bewe-