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Untersuchungen aus dem Gesammtgebiete der Mykologie. Fortsetzung der Schimmel- und Hefenpilze. [Heft IX. - XII.]
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kann ich nur noch berichten, dass ich sie mit stets neuer Freude an den zierlichenund reinlichen Bildungen länger wie ein halbes Jahr fortgesetzt habe. Neues ist dabeinicht mehr zu Tage getreten. Beide Conidienformen gingen bis au Endeneben einander auf den Mycelien einher, nur an den Fäden, die zur Faden-conidienbildung übergingen, habe ich öfters beobachten können, dass die Abgliederungder Conidien nicht immer so tief an der Infeetionsstelle, wie in Figur 17, eintrat, dassdie Conidien gleichsam wie auf längeren Sterigmen gebildet erschienen, und dass mit-unter die Fadenform durch basale Anschwellung der Conidien, wie in Figur 15 u. 1(>,mit einer Hinnehmng zur Sichelform mehr oder minder verändert wurde. AIit derausgebildeten Sichelform ist eine Fixirung des Keimortes auf die Enden oder Vorzugs-weise auf das obere Ende der Conidien verbunden, während die Fadenconidien selteneran den Enden, meist in ihrem Verlaufe an beliebiger Stelle austreiben. Es gibt unterder Gesammtheit der Brandpilze vielleicht keine Form, welche sich leichter und aus-giebiger in künstlicher Cultur, also ausserhalb der Nährpflanzen, ernähren lässt, alsdiese so seltene Form der Xeovossia Moliniae.

Neovossia Barclayana n. sp. auf Pennisetum triflorum.

ln einer der letzten Sendungen von Brandpilzen, die ich mehrere Jahre hindurchin so vortrefflichem Material von dem leider so früh verstorbenen Barclay aus Bimlaim Himalava erhielt, fand sich die neue Form von Neovossia auf Fennisetnm triflorumvor. Ich habe sie desshalb Barclay zu Ehren als X. Barclayana benannt.

Als der Pilz auf oder in den Früchten von Pennisetum bei mir ankam, glaubteich, dass er der Fstilago Penniseti Babenh. 1 ), die auf Pennisetum vorkommt, entspräche.Die Untersuchung der Sporen ergab aber bald, dass hier eine ganz andere Brandformvorlag, die nichts als das Vorkommen in den Früchten von Pennisetum mit diesergemein hat. Die von der X. Barclayana befallene Aehre von Pennisetum hatte auf-fallend geschwollene grosse Früchte, die ganz mit den pulverigen schwarzen Brand-sporen an gefüllt waren. Es war unnöthig, die Früchte zu öffnen, weil sie schon eineOetfnung an der Spitze hatten, aus welcher, wie aus einer Kapsel mit einem Loche,die Sporen sich leicht und rein entleeren Hessen . 2 ) Die einzelnen, schwärzlich-braunen,

1 ) Die Fstilago Penniseti Rabenli. auf Pennisetum dicliotonmm habe ich vor fast 10 Jahrenvon Scluceinfurth in leider nicht keimfähigem Materiale bekommen, die Untersuchung ist trotz allerMühe und Auslegens der Sporen in feuchter Erde damals resultatlos verlaufen, nur das todteSporenmaterial war noch zum weiteren Vergleiche in meinem Besitz, um den grossen Unterschiedgegen die neue Xeovossia Barclayana in den beiderseitigen Sporen auf den ersten Blick festzustellen.

-) Nach der urnenartigen Ausbildung der Fruchtknoten, welche aus einer apiealen Oetfnungdie Brandsporen entlassen, ist der Unterschied dieser Form von Xeovossia im Vergleich zuX. Moliniae ein sehr grosser und vielleicht die Berechtigung zu einer generischen Abtrennunggegeben, die ich unterlassen habe, weil ich die Brandlager nicht entwicklungsgeschichtlich, sondernnur im ausgebildeten Zustande an dem trocknen Materiale untersuchen konnte.