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Encyclopädisches Lexikon der Erd-. Land- und Feldmessung / W.E.A. v. Schlieben
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Begrenzungen

und Zusammenziehung der Maße. Endlich muß auf so einem Risse auch nochmit Schrift, nicht allein der Gegenstand desselben bemerkt seyn, sondernauch wer den Riß gefertiget hat und besonders, wenn die Messung unter ge-richtlicher Autorität vollzogen ist, wer dabei gegenwärtig war, ja, es kannsogar gut seyn, wenn man auf dem Riffe mit notiret findet, wer die Grenzegezeigt hat, wer die eine (roth ausgezeichnete) als richtig angab und wer dieandere (gelb markirte) bloß für wahr hielt. Daß übrigens alles andere, waszu einem vollständigen Riffe gehöret, hier nicht fehlen darf, verstehet sichwohl ohnedies. Da je umständlicher eine solche Messung ist, je zeitrauben-der und je kostbarer fie auch wird, so braucht man bei Grenzenmeffungenvon minderer Bedeutung, besonders bei solchen, wo es auf eine Kleinigkeitim Maße mehr oder weniger nichts ankommt, wie öfters bei Brüchen, Leh-den, Sanddünen der Fall ist, auf eine solche hier eben beschriebene aufhalt-liche Weise nicht zu verfahren. Es gnügt manchmal schon, wenn ohne alleInstrumente, bloß mittelst Stäbe und Ketten durch Messungen von Abszissenund Ordinatcn die Entfernungen der Grenzpunkte bestimmt und die Winkel,die sie untereinander machen, im Maße angegeben werden. In den Instruk-tionen für praktizirende Geometer muß es genau mit angegeben seyn, zuwelcher Classe der Greuzmeffung ein Gegenstand gehöret.

Eben so wichtig als der Gegenstand, ist dem Geometer die Ausdehnungder Grenzmeffung. Ist bloß eine Flur - oder Gutsgrenze zu vermessen, soist der Gebrauch des Meßtisches gemeiniglich hinreichend, ist aber der Ge-genstand eine Landesgrenze, die sich mehrere Meilen weit ausdehnet, so wird' ,erforderlich, daß vorher gewisse feste Punkte auf oder in der Nähe derselben, Ztrigonometrisch bestimmt werden. Besonders wenn eine solche Grenze an ei- ^ner oder mehreren Seiten, an andere schon vermessene Grenzen anschließensoll, muß besonders darauf gesehen werden, daß die Anschließungspunkte mitganz besonderer Schärfe in Grund gelegt werden. Bei der Aufnahme desDetails der Grenze ist ebenfalls der Meßtisch besonders zu empfehlen.Ein solches vermessenes Grenzland soll nicht allein alle auf die Grenze sichbeziehende natürliche und künstliche Gegenstände der Gegend enthalten, son-dern auch das anschließende Terrain muß bis zu einer gewissen Breite aufdem zu fertigenden Grenzriffe bezeichnet seyn. Macht ei» Bach oder Flußdie Grenze, so muß genau bemerkt werden, ob ein User oder der Thalwegdie Scheidung macht. Auch sind die Maße von einem Grenzpunkte zum an-dern , oder nach einem unmittelbar meßbaren Alignementspunkte, auf den Rißunmittelbar anzuschreiben. Alle an die Grenze anschließende Privatbesitzun-gen, sollen noch besonders genau markiret und die Besitzer namentlich auf demRiffe sich befinden. Gemeiniglich wird bei einer solchen Grenzvermessungvon jeder der betheiligten Regierungen ein Geometer mit der Messung beauf-tragt. Nach vollendeter Arbeit werden die verschiedenen Risse mit einanderverglichen und ein Exemplar havon von beiden Regierungen anerkannt,

Ad II.

Ist eine gewisse Grenze nach verschiedenen Maßen der Linien und Win-kel oder durch einen schon vorhandenen glaubwürdigen Riß bekannt, und essollen die Linien und Winkel darnach in der Natur abgesteckt werden, so su-che man vornehmlich in der Gegend die Punkte auf, von wo aus die Maßeim Risse oder in der Beschreibung aufgetragen sind. Gemeiniglich findet mandie Winkel nach gewissen in der Nähe befindlichen Kirchthürmen, Bergspitzen,in den Grenzriffen nottret; von solchen Punkten werden nun jene Winkel wie-derum abgesteckt und die bekannten Entfernungen aufgetragen. Oftmals fin-det man auf der verloren gegangenen Grenze hie und da dennoch einigePunkte, wo wiederum anzubinden und die Grenzlinie fortzusetzen ist. Fin-det man aber keine solchen alten Grenzpunkte und ist auch in den schriftlichenNachrichten über den Grenzzng, keines Alignements nach entfernten Objec-ten gedacht, oder ist es wohl gar erwiesen, daß sich die Lage solcher Objectebedeutend verändert hat, dann ist es sehr mißlich die Grenze wiederum her-

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