I Begrenzungen 29
, ^ zustellen; man muß dann alte Leute vernehmen, die viel an der Grenze zu
1 ftijun gehabt haben, als Jäger, Schäfer, Grenzsoldaten, Flurschützen u. undihre Aussage» über den ehemaligen Grenzzug miteinander vergleichen. ESverstehet sich übrigens, daß alle nur immer aus den Landesarchiven zu ge-winnende Nachrichten nicht verabsäumt werden dürfen. Bekommt der Geo-meter aber mit dem Austrage zugleich einen anerkannten Riß der. Grenze, sowird stch die wahre Lage der Grenzpunkte in der Natur ergeben, wen» erstder Riß mit der Gegend gehörig orientiret ist, welches sich durch einige inder Natur und dem Risse entsprechende Alignementspunkte bewerkstelligenläßt, und dann die Entfernungen von einem Punkte zum andern, oder voneinem in der Nähe befindlichen und auf dem Riffe vermerkten Gegenständenach der Grenzlinie, gemessen und aufgetragen werden. Ich glaube einemGeometer hier noch besonders empfehlen zu müssen, sich erst aus dem ganzenGrenzriffe gewisse sichere und leicht bestimmbare Punkte auszusuchen, diese indie Rarur überzutragen und dann erst die Zwischenpunkte zweier und zweierzu reguliren. Es braucht wohl nicht erst erwähnt zu werden, daß, wenn mannach dem Riffe Stück für Stück die Grenze überträgt, es nur zu leicht ge-schehen kann, daß die Endpunkte nicht anschließen, ja oft bei einem langenGrenzzuge bedeutende Stücke von einander abweichen werden. — Ehe nachdem Ermessen der Commissarien die Grenzpunkte völlig reguliret werden, istes auch zu rathen die Linie erst abzupflöcken, und diese so markirten Punktevor ihrem definitiven Stande nochmals zu prüfen. Da eine Nachlässigkeitin der Arbeit, oder die Versäumung einer Vorsichtsmaßregel noch nach Jah-ren dem Geometer zur Last fällt, so ist gehörige Umsicht und Einsicht gleicherforderlich. Hat sich aber die Gegend, wie an Flußufern,'Meeresküsten rc.so verändert, daß die auf und an der Grenze befindlichen Gegenstände wedernach dem Risse noch nach der Beschreibung wiederum aufzufinden sind, dannheißt es von der Geodäsie zu viel gefordert, die Grenze in der Natur wie-derum herzustellen. — Es zeigt sich hier abermals, wie nothwendig es ist,die Grenzen von Zeit zu Zeit, besonders in solchen Gegenständen, die derVeränderung sehr unterworfen sind, zu revidiren.
Ad III.
Eine Grenze, die noch gar nicht vorhanden, sondern nach gewissen fest-gestellten Bedingungen erst reguliret werden soll, wird oftmals ein sehrwichtiges Geschäfte für einen Geometer. Er hüte sich nach bloß mündlichenAngaben aus bekannten Gründen zu verfahren, sondern fordere die Angabenvon der ihn autorisirenden Behörde schriftlich. Nach den in der Schrift aufge-stellten Bedingungen mache er sich vor dem eigentlichen Angriffe der Arbeiteinen Entwurf auf einer Specialcharte, bloß um daraus beurtheilen zu kön-nen, ob die ihm auferlegten Bedingungen auch hinreichend seyn, so daß sichnicht etwa nach der Angabe die Grenze unter mancherlei Form bringen läßt,oder ob zu viel gefordert ist, so daß es unmöglich wird alle Bedingungen zubefriedigen. Alle solche Umstände müssen vorhcro genau und gewissenhaft ge-prüft und den ihm Auftrag Ertheilenden mit einer detaillirten Relation derverschiedenen Aweideutigkeiken oder Unmöglichkeiten, nebst Hinwcisung aufdie Stellen, die bestimmter auszusprechen sind, angezeigt werden. Glaubt da-her die Behörde von den früher ertheilten Bedingungen nicht abstehen zukönnen, dann muß der Geometer es zu Protocoll bringen lassen, daß er aufjene zweifelhaften Stellen aufmerksam gemacht habe. Die Absteckung derGrenzen erfolgt dann in Beiseyn der noch besonders beauftragten Commissa-rien und der Grenznachbarn. Hier können die einzelnen Punkte in der Rei-henfolge der Angabe, durch geschlagene Pfähle markiret werden. Die Setzungder Grenzsäulen, Grenzsteine rc. muß dann aber schnell jener Verpfäyiungfolgen. Auch hierbei ist der Geometer anwesend, um genau darüber zu hal-ten, daß das definitive Grenzzeichen genau auf die durch den Pfahl bemerk-ten Stellen kommt. Mit und unter welchen Formalitäten diese Setzung ge-schiehet, dieses liegt außer seiner Sphäre; auch hat er nur in sofern die Grenz-