8
GEOLOGIE VON MITTEL-BUNDTEN.
fleckweise Schnee getroffen. Die über 8200 F. hohen Pässe, zwischendem Hintergrund von Sertyg und Ravesch, waren beidemale, da wir siebesuchten, von Schnee entblösst, und auf den fast 8800 F. hohen Eschia-pass, westlich von Madulein , gelangten wir, von der Nordseite her, ohnezusammenhängenden Schnee zu finden. Ja, selbst auf der beinahe 1 0,000 F.hohen Cima di Flix erstreckte sich, den 8ten August 1838 , die dünneSchneebedeckung kaum 1000 F. tief hinunter, und in heissen Sommernsoll sie selbst auf dem Gipfel sich theilweise verlieren. Bei der geringenAusdehnung und der Yereinzelung der in Bündten über die Schneeliniesich ergebenden Gebirge wird zwar die schärfere Bestimmung dieserLinie kaum je gelingen können, doch glauben wir sie, nach unserenErfahrungen, nicht tiefer als 8600 bis 8800 F. annehmen zu sollen.
Mit diesen Yerhältnissen steht die eigenthümliche Alpenwirthschaftder Bündtner in enger Yerbindung. Wo nämlich,, wie es fast allgemeinder Fall ist, der tiefere Thalgrund nur geringen Raum, die obere Hoch-fläche aber beträchtliche Wiesengründe darbot, da wurden auf dieserSommerdörfer, oder sogenannte Maienscesse angelegt, aus denen mansich, für die kältesten Monate, in die, im Thalgrund liegenden Winterdörferzurückzieht. Diese Maiensässe enthalten gut gebaute, für ganze Familieneingerichtete Häuser, und stehen auf Höhen von 5300 bis 6000 F. Dassnicht die Rauhigkeit des Klimas, sondern wirthschaftliehe Rücksichtendazu nöthigen, sie im Winter zu verlassen, zeigen die gleich hoch liegendenDörfer in Avers., die das ganze Jahr durch bewohnt werden. Um dieMaiensässe herum und, oberhalb derselben, bis auf 6500 F. etwa, werdendie Grasgehänge meist als Wiesen oder Heuberge benutzt und im Augustabgemäht. Höher folgen di e Kuhalpen, bis auf ungefähr 7500 F.} jedeeinzelne auf dem breiten Gebirge einen sehr beträchtlichen Bezirk ein-nehmend, so dass oft die Heerde stundenweit von der Alphütte zur Weidegetrieben wird. Die noch höheren und rauhsten Weiden werden alsSchaf alpen benutzt, aber nicht mit einheimischen Schafen besetzt, weildiesen die Winterfütterung fehlen würde, sondern, seit ältester Zeit, anBergamasker Heerdebesitzer verpachtet, deren Hirten im Juni die Schafe