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Wien's Wasserversorgung : eine Denkschrift ... / Aug. Fölsch und Carl Hornbostel
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Gefahren eines sol-chen Experimentes.

Möglichkeit einesanderen Ausweges.

Diese Saug- oder Fang-Caniile müssten jedoch, um wirklich ein namhaftesWasserquantum zu erzielen , in sehr grosser Ausdehnung tief in dem mit Wasser ge-sättigten Schotter- und Sandgrunde angelegt werden. Dennoch bliebe man der Gefahrausgesetzt, dass die überall und auch bei der Ferdinandsleitung gemachten Erfahrungen*)sich wiederholten, dass nämlich die mit sehr bedeutenden Kosten angelegten Saug-Canäle ausser Stand wären, eine grössere Menge Wasser continuirlich abzugeben, unddass nach einmaliger Entwässerung des Schottergrundes der Zufluss zu versiegen begänne.

Kein Techniker wird im Stande sein, im Voraus zu berechnen, welche Wasser-mengen solche selbst mit sehr bedeutenden Kosten angelegten Saug-Canäle fortdauerndzu liefern vermögten. Ein derartiges Werk wäre also ein Experiment, dasmöglicherweise gelingen, das aber auch gänzlich fehl schlagen undein vollständiges Scheitern der darauf basirten Anlagen zur Folgehaben kann.

Gelänge es aber wirklich , ein nennenswerthes Quantum auf solchem Wege zuerzielen, so könnte dies da die atmosphärischen Niederschläge hiezu bei weitemnicht ausreichen nur durch Entziehung von Wasser von der Triesting, dem kaltenGang, der Fischa-Dagnitz etc. geschehen.

Ernstliche Iveclamationen und selbst Schaden-Ansprüche seitens der Werk-besitzer würden, wie bereits in einem commissionellen Berichte **) hervorgehoben, dieunausbleibliche Folge sein.

Im Falle des Gelingens dieses Versuches würden also eben diejenigen Schwie-rigkeiten sicli erheben, welche man zu umgehen beabsichtigt, während bei einemungünstigen Ergebniss die sehr bedeutenden Anlagekosten ganz und gar verloren seinwürden.

Auf so unsicherer Basis wird die Wasser-Versorgung der Stadt Wien nichtgegründet werden können.

D o

Glücklicherweise liegt keine Veranlassung vor, zu solchen verzweifelten Experi-menten schreiten zu müssen.

Es bietet sich nämlich ein anderer Ausweg dar, die der Verwendung derFischa-Dagnitz-Quelle entgegenstehenden Hindernisse zu beseitigen und es zu ermög-lichen, dass dies ausgezeichnete Quellwasser dennoch zur Versorgung der städtischenBevölkerung nutzbar gemacht werde.

*) Siehe die Denkschrift des Stadt-Bauamtes Seite (i.

**) Das Wasser in und um Wien riieksiclitlich seiner Eignung zum Trinken etc.

Nach dem Berichte der von dem h. Ministerium des Innern zum Belnife dieser Untersuchung ein-gesetzten Commission. Wien 1860.