Buch 
Wien's Wasserversorgung : eine Denkschrift ... / Aug. Fölsch und Carl Hornbostel
Entstehung
Seite
20
JPEG-Download
 

20

Beiläufiger Expro-priationsiverth diesesAVasserrechtes.

Lösung der AVasser-rechts-Frage.

Yerwerthmig des ver-wendbaren Pithen-Wassers.

Erfüllung der Grund-bedingungen für dieLösung der AVasser-rechtsfrage.

Es wird jedocli zweckdienlich sein, die Schwierigkeiten, welche bisher eineNutzbarmachung dieses Wassers für die Versorgung der Stadt geradezu unmöglichmachten, etwas näher in's Auge zu fassen und zu prüfen, ob sich nicht trotzdem einMittel finden lasse, den betreffenden Werkbesitzern eine zufriedenstellende Entschädi-gung für das von ihnen abzutretende Quellwasser darzubieten.

Der Geldeswerth dieses Wasserrechtes ist von sachkundiger Seite für einenTlieil des Quellwassers, welcher etwa dem häuslichen Bedarfe der Stadt entspricht,also für 500.000 Eimer pr. Tag, auf beiläufig vier Millionen Guldengeschätzt. Selbst nach Zahlung dieses enormen Betrages bleiben die übrigen in volks-wirtschaftlicher Beziehung erhobenen Bedenken noch ganz und gar unbeseitigt.

An diesem Sachverhalt scheiterten bisher alle Bestrebungen, und in der Thatkann nur ein einziger Ausweg zum Ziele führen, nämlich der Versuch, den berech-tigten Werkbesitzern für das abzutretende Quellwasser ein anderesannehmbares Aequivalent von gleichem Werthe darzubieten.

Wenn es sich z. B. ermöglichen liesse. das zur Stadt zu leitende Quellwasserdurch ein anderes Wasser in reichlicher Menge zu ersetzen, so würdeder Betrieb aller jener Werke in keiner Weise beeinträchtigt. Die Entschädigungsfragewäre in der einfachsten Weise zur allseitigen Befriedigung gelöst, und selbst die Er-werbs- und Produetions - Verhältnisse der Umgegend würden gänzlich unberührtbleiben.

Forscht man nun Aveiter, ob irgend welche verfügbare Wassermenge in jenemGebiete und zwar in nicht zu grosser Entfernung zu finden sei, so ergiebt sich aus denvorstehend dargelegten Verhältnissen, dass in der That der Pithen-Fluss unterhalb derErlach er Spinnfabrik, also kurz vor seiner Einmündung in die Leitha , anstandslos einbisher unbenützt gebliebenes Quantum von 2 1 / 2 Mill. Eimer Wasser täglich abzugebenim Staude ist.

Man führe also dies Pitlien-Wasser in das Fischa - Dagnitz-Thal,und liefere damit den dortigen Werken weit mehr Wasser, alssiebishervon der Quelle bezogen: so ist eine B ena chthei 1 igung der Werkbesitzervollständig vermieden.

Das vortreffliche Wasser der Fischa - Dagnitz wird hiedurchfrei verfügbar, und kann anstandslos zur Versorgung der Stadt ver-werthet werden.

Bei näherer Erörterung dieses Vorschlages, welcher von der Grundbedingungausgeht, dass die zahlreichen Werke an der Fischa - Dagnitz in ihrem Betriebe nichtgestört werden dürfen, erheben sich zunächst die Fragen:

ob die Zuleitung des Pitlien-Flusses in das obere Ende des Fischa -Dagnitz -Thales überhaupt möglich und mit massigen Kosten ausführbar sei;