Eisenbahnbau nach den Ideen des Verfassers. Staffelschiene rc. 661
seinen Platz finden, welchem die Hebel zum Anziehen der Bremsen, so wie zumSchließen des Regulators zur Hand stehen.
VII. Alle Wägen haben Bremsen nach der im Plane V gegebenen Zeichnung,die Lokomotiven haben Steinschiebcr und Kuhjäger vor sich.
VIII. Die Stationswärter sollen Schallsignale geben können, welche selbst imSturme bis zur nächsten Station hörbar sind. Diese Aufgabe ist für eine mensch-liche Lunge zu groß, cS soll also Luft, welche durch die StationSwärter in einen Be-hälter comprimirt wird, hiezu verwendet werden. Der Lokomotivführer wird mit derDampfpfeife erklären, daß er das Signal gehört hat.
IX. Durch Ortschaften darf die Lokomotive nur gehen, wenn sie sehrbreite Strassen haben, theils wegen der Unsicherheit deS Dampfbetriebes durch überdie Bahn laufende Menschen oder Thiere, theils wegen der wohl trotz aller Funken-sänger möglichen FeuerSgefahr.
X. Jeder Stationswärter hat eine Draisine zum Zwecke rascher Visitationder Bahn.
1228. Nachdem ich die Hauptanordnungen gegeben habe, durch deren Ausfüh-rung der Betrieb einer Chaussee-Eisenbahn gesichert ist, will ich noch nähere Erör-terungen über einzelne Punkte geben.
1229. Bei Bestimmung der Entfernung der Stationen ergeben sich
folgende Gesichtspunkte: So wie die Oekonomie die Abschaffung aller Bahnwärterwünschenswerth macht, so dringt sie auch auf Verminderung derselben, die Nothwen-digkeit aber, die Zeit zu vermindern, während welcher die Kommunikation gesperrtist, macht kleinere Stationen nöthig. Als Grundsatz ist Hiebei aufgestellt: Jedeseine Station passirende Chausseefuhrwerk muß an der nächsten Station, von welcherdie Lokomotive herkommt, angekommen sein vor der frühesten Stunde, in welcherdie Lokomotive anlangen kann. Die längste Zeit, welche ein Chausseefuhrwerk war-ten muß, besteht aus 3 Posten: 1) AuS der Zeit, welche das Fuhrwerk nöthig hat,um die vorliegende Station zu erreichen. 2) Aus der Differenz der frühesten undder spätesten Stunde, in welcher die Lotomotive in der vorliegenden Station ankommt.3) Aus der längsten Zeit, welche die Lokomotive zur Zurücklegung der Station be-darf. ES liegt in der Natur der Dinge, daß der erste dieser Posten der bedeutend-ste ist. Ihre Größe richtet sich nach der Länge der Stationen und ihrer Steigungen.Je stärker diese sind, je größer der Verkehr und je bedeutender die Zahl Nebenwege
sind, welche in selbe münden, desto kleiner müssen die Stationen sein. Ich glaube
die kleinste Entfernung der Stationen auf V, Stunde, die größte auf1 Stunde festsetzen zu können, ganz sterile Gegenden und Moose ausgenommen.
1230. Bei den bestehenden Eisenbahnen bedürfen die Feldwege keiner beson-
dern Bewachung, weil die von ihnen kommende:, Fuhrwerke die Bahn nur durch-schneiden, also nur sebr kurze Zeit darauf verweilen und die Bahn im Augenblicke
nicht betreten, in welchem sie die Lokomotive kommen sehen oder hören. Anders ist
eS bei Chaussee-Eisenbahnen, bei diesen muß jeder einmündende Feldweg rechtzeitigund durch eine Barriere verschlossen werden. Sehr wenig frequente Feldwege wer-den nur temporair geöffnet. Die Schließung aller Feldwege wird eine sehr bedeutende