der müste auch in den Serpentinen eine beschleunigende Geschwindigkeit nach demMittelpuncte, also nach dem convexen vier hin annehmen, welches aber gerade derNatur der Flüsse widerspricht. Richtet sich die Geschwindigkeit nicht nach dem Ab-hänge und der Weite des Bettes? Wer kann eine Messung aufweisen, woraus her-vorgienge, dafs irgend eine Serpentine den rauf des Flusses beschleunigt hätte? Undist es nicht gewifs, dafs der Strom in einer jeden Krümmung langsamer, als in dergeraden Bahn fliefsen müsse, wenn alle andere Data, als der Abhang des Bettes, unddessen Form, so wie die wasser - Masse gleich gesetzt werden, und zwar defswe-gen, weil das in der Serpentine fliessende wasser nach verschiedenen Richtungenströmt, daher widerströme u. d. gl. annimmt, und eine gröfsere Adhäsion an denufern und dem Bette erfahren wird, als in der geraden Bahn. Alles dieses mufs eine Störungoder Abnahme der Geschwindigkeit zur Folge haben. In der geraden Bahn fliefst aber dasWasser in der — seine Geschwindigkeit befördernden Richtung, und der Haupt - stromstrichnähert sich mehr der Mitte der Flufsbahn, als in Flufskrümmen, wodurch also derselbe fähigist, die übrigen Stromfäden an sich zu ziehen, und die Adhäsion des Wassers an die uferzu verringern ($. 2Q.), folglich den ström selbst zu beschleunigen. Ferner verursa-chen die Serpentinen Eisstopfungen oder Eisdämme, die den Abflufs des Stromes hem-men, also ueberschwemmungen erzeugen, welche Dämme durchbrechen, und schreck-liche Verwüstungen anrichten. Der wasserbaukundige sieht sich daher öfters genö-thigt, dieselben mit Durchstichen zu vermeiden, und so dem Flufs eine bessere Rich-tung zu geben.
$.05. Da nun die Serpentinen auf so manch erley weise den Abflufs der strömestören, die Hochgewässer (während den Eisstopfungen) aus dem eigentlichen Bettehinauslciten, und so der zertheilte Eisgang, so wie der hohe Strom nicht genugsamauf das Bett wirken können, so verursachen sie Versandungen der Flufsbetten, die inder Folge den Strom immer höher hinauftreiben. In grofsen Flüssen scheinen miralso vorzüglich Durchstiche, und zweckmäfsige, die Hochgewässer zusammen haltendeDeiche, das genugthuende Mittel zu seyn, um die Versandungen der Betten , so wiedie ufer - Abbrüche zu verhindern, diese zu beschützen, und jene fortzuschaffen, folg-lich die Inondationen zu entfernen, weil eben durch die Erhaltung der tiefen tagedes Stromes die Erhebung desselben über die ufer und Deiche verhindert wird.
Das vorurtheil, welches die in der Flufsbaukunde unerfahrnen haben, dafs näm-lich die Geschwindigkeit des Stromes in dem Verhältnisse vergröfsert werde, als seineNeigung vermehrt wird, ist äufserst nachtheilig für die Verbesserung der Flüsse ge-wesen. Sie bedenken nämlich nicht, dafs die mittelst des Durchstichs vermehrte Nei-gung des Stromes sich sowohl oberhalb, als unterhalb des Durchstichs in dem Stromeselbst ausdehnt, dafs die dadurch vermehrte Geschwindigkeit dem Strom ein solchesvermögen giebt, womit er das Flufsbett vertieft, mithin die Profile vergröfsert. Sowie aber die xiefe und Breite des Durchstiches zunimmt, mufs nach dem Gesetz $. 35, die