Geschwindigkeit abnehmen. Ein gleiches gilt von der Neigung, denn diese wird indem verhältnifs verringert, als die Profile nach und nach, durch die Austiefung und Erwei-terung des Bettes, zunehmen. So mufs also die Oberfläche des in dem Durchstichefliessenden Wassers mit der zunehmenden Tiefe des Bettes sich senken, und diese aus*höhlung so lange fortdauern, bis das Bett einen solchen Abhang, welcher der tiefenLage des Flußbettes, der, sowohl oberhalb als unterhalb dem Durchstiche liegendenFlufsrinne entspricht, erhalten habe.
Auf diese weise nimmt die Geschwindigkeit in dem Durchstiche nach und nach wiederab, je nachdem er sich vertieft, und bis zur Breite eines in parallelen ufern fliessendenStrombezirks steh erweitert. So dgfs also nur der hohe Strom vermittelst demselben eineweit gröfsere Geschwindigkeit erhält, als womit derselbe in die Serpentine flofs, und derniedrige ström nur wenig schneller wird. Nun ist es aber vorzüglich die Absicht, mitDurchstichen die Hochgewässer so schnell als möglich abzuführen, folglich sind sie inder Flufsbaukunde ein souveraines Mittel zur Abwendung der ueberschwemmungen.
Um diese Vertiefung, das ist, den zur Senkung der Oberfläche des Stromeserforderlichen Abhang hervorzubringen, müssen Durchstiche, die nicht durchsolche die höchsten wasserstände übersteigenden uferlande gezogen werden können,mit den hohen Strom einschränkenden Leitdämmen zu beyden seiten (Tab. 23.) ver-sehen werden, wenn man die regelmässige Vertiefung des Bettes von schiffbarenFlüssen in kurzer zeit, oder bey den ersten Hochgewässern bewirken will. Ein an-ders ist es aber, wenn man an den seiten der Durchstiche vermittelst des über solcheaus festen, den Angriffen und dem uebersturtze des hohen Stromes widerstehendenLeitdämmen, Vorland zu erzeugen genöthigt ist. In diesem Fall mufs man den einenoder andern Leitdamm , oder beyde Leitdämme zugleich so niedrig legen, dafs der gewöhn-lich viel Material bringende ström, wenn er diesen Stand erreicht, darüber hinstürzt. Bey-de zwecke: die Vertiefung des Durchstichs und die Verlandung, lassen sich aber errei-chen, wenn man die Leitdämme so von Erde aufführt, dafs sie, wenn sie diese Absichtbefördert haben, vom ström selbst fortgeführt werden, wie diefs unter andern beydem Bylandschen Durchstiche der waal (xab. 23. no. i.) geschehen ist.
§• 66. Von den Wirkungen der Durchstiche haben uns die blossen Theoretiker wie-der so viele Aufgaben mitgetheilt, dafs, wenn diese sich anwenden Hessen , der Er-folg genau berechnet werden könnte. Durch sie erfährt man wie die Geschwindig-keit — die Neigung, und die wasserhöhe von einander abhängen. Ist es aber nichtdie vortheilhafte Richtung, welche die Stromrinne in der, mittelst eines Durchstichesbewirkten geraden Bahn mit den ufern macht, ist es nicht der mit dem Durchstichevergrösserte partielle Abhang des Bettes, der dem Strom ein gröfseres vermögen, dieStoffen fortzuwälzen und das Bett zu vertiefen, giebt, indem man seinen Lauf ab-kürzt, und die Hindernisse, welche ihn in Serpentinen retardiren, entfernt? Sind es auchnicht in Serpentinen die Engen und weiten so wie die Gestalt der Flufsbakn, sind