9 »
gegen den Strom gehen müsse, bis weder der eine noch der andere von den beydenFlüssen, d. h. hier weder der Nieder - Rhein oder pannerdischc canal, noch die waal ("),einen von den Hauptflufs seitwärts abgehenden oder einen einschlurfenden ström bil-det. Endlich mufs der ungetheilte Flufs gleich oberhalb der Stromscheidung derge-stalt reguliret werden, dafs darin weder Eisstopfungen noch Erhöhungen des netteserfolgen, weil sonst alle Verbesserungen der stroxnscheidung selbst, vorzüglich wäh-rend Eisgängen und Hochgewässern, nichts helfen. Die Anwendung dieser Regel fin-det der Leser in dem 2ten Abschnitt eben bey der Darstellung der Stromscheidungdes pannerd’schen canals von der waal weiter ausgeführt.
Der einschlürfende ström empfängt nun l) das vom ungetheilten Strom abge-führte material, welches seine Mündung verstopft, oder sein Bett erhöht, und 2) setz-ten sich in dessen Mündung die Eisschollen zuerst fest, so, dafs darin ein Eisdammentsteht, welcher dem 2ten gctheilten ströme die Hocligewässer zuweifst. SolcheEisdämme wird man aber durch die Anwendung der oben aufgestellten Maximen in denMündungen beyder Flüsse vermeiden. Wir sehen daher, welchen Nachtheilen einvon dem Haupt-oder ungetheilten Strom seitwärts abgehender Flufs unterworfen ist.
$. 71. Wiewohl ich über die Entstehung und Figur der Inseln in dem praktischenrheile mehrmals Gelegenheit zu sprechen haben werde, so will ich der Inseln dennochhier erwähnen, weil sie eine vorzügliche Ursache zur verträgung des Stromes sind.Diejenigen, die in einem beträchtlichen Stromzuge liegen, sind allemal gegen denStrom breit, und unten spitz gestaltet (**). (Man sehe, Tab. 3. 1. 4. und die übrigenKarten zu diesem Lande.) Diese Figur setzt dem Strome den geringsten widerstandentgegen, und defswegen werden sie nach derselben vom Strom geformt. In F.bbe-und Fluth - strömen bilden aber die Inseln zierlich gleichförmige spitzen (Tab. 30.und 3l). Solche Inseln, die ausser der Richtung des Hauptstromes liegen (vid. Tab. 5.),haben einen Bauch nach dem concaven ufer, und ein gerades ufer nach dem conve-xen , wie z. b. das Grafenwehrt bey Honneff (mb. 4.), weil die Stromrinne in der Nähedes concaven ufers liegt, folglich an der msel eine convexität entsteht.
§. 72. Die Inseln verursachen, indem der Strom auf dieselben slöfst, eben so Wiedie Separations - Spitzen der Flüsse eine merkliche Aufstauung des Stromes ; verringern da-her oberhalb die Geschwindigkeit, die Neigung und den Abhang. Diefs beweisen auch dieangeführten Messungen. Ferner zeigen diefs in Hinsicht derByfluenz der ströme, die §.45. mifgetheilten Messungen; wenn man nämlich die Geschwindigkeit und die weiterunten vorkommende Neigung der alten Mündung des pannerdischen canals mit derGeschwindigkeit und dem Abhange im Byland’schen Durchstiche vergleicht.
(*) Ehe man noch das separations - werk A Tab. 23. angelegt hatte, war der Pannerdische canal oder derNieder-Rhein ein vollkommen einschlürfender Strom, viele Tab, 24. carte wo, 11,
(**) Gleiche Beschaffenheit hat es auch mit den sandbänkeu und untiefen.
M 2