XII
Diese Formel ist eben so unsicher in. der Anwendung, als die Euatsche; da siewenigstens eine in verschiedenen runcten unter der Oberfläche angesteilie Messungenerfordert, iiberdiefe äusserst mühsam ist»
, §. 123. Indessen hatte die Aufgabe : wie man die Geschwindigkeit des fliefsen-
den Wassers aus der Neigung und riefe berechnen könne, neitz genug, um ihre Auf-lösung zu versuchen. Mehrere Mathematiker haben sich daher mit ihr beschäftiget,.. und sinnreiche Theorien aufgestellt, die aber immer das ziel nicht erreicht haben.Brünings hat mit seiner Abhandlung über die Geschwindigkeit des fliefsenden Wassers(verhandeling von stroomend water etc.), die nerr Kröncke in einer von mir mit ei-ner Vorrede begleiteten uebersetzung im Jahre 1 IQ8 den deutschen Lesern lieferte,diesen Gegenstand sehr gründlich behandelt und bewiesen: dafs die Gelehrten niemalseine über die Geschwindigkeit des fliefsenden Wassers mit den Natur - Erscheinungenübereinstimmende Theorie aufstellen können, sondern dafs der wasserbaukundige stetszu wirklichen Messungen seine Zuflucht werde nehmen müssen* wenn er die Ge-schwindigkeit erfahren will- ,
Vorher haben diefs auch Largna und teccln dargethan-, worüber man in denaicerche intorno alla distribuzione della velocita das weitere findet.
§. 124. Da ich in diesem werke nur die mit der Frfahrung übereinstimmendenTheorien empfehle und jede ungewifshheit in der vorzüglich auf Beobachtung beru-henden wasseihaukunde grofse Nachtheile hervorbringtso werde ich die vorzüg-lichsten über die Bestimmungen der Geschwindigkeit des fliefsenden Wassers aufge-stellten Theorien nur in der Kürze berühren» Die ersten wurden bey Gelegenheitdes zwischen Bologna und Ferrara wegen den ueberströmmungen des Reno entstan-denen Streites bekannt gemacht- Sie beruhen auf zwey Haupt - Hypothesen ,. derenwillkühr der mit der Natur der Flüsse vertraute Ingenieur sogleich, entdecken wird.Die erste von Galileo aufgestellte Theorie betrachtet den Strom als einen, auf einergeneigten Ebene herahgleitendm Körper; daher dessen Geschwindigkeit durch dieQuadratwurzeln aus den Hohen des Abhanges zu bestimmen sey» wird dagegen er-wogen: dafs die Flufsbetten öfters steigen, dafs selbst die Geschwindigkeit des Stro-mes von der Figur und Richtung der Flufsbahn und so vielen anderen umständenabhängt, und dafs alle Flüsse an Geschwindigkeit abnehmen, jernehr sie sich demhydraulischen Beharrungsstande annähern 34-, oder je näher sie ihren Ausmündun-gen oder dem Meere kommen, wiewohl die Gröfse ihresgesammten Abhangs zunimmt,,so lei:eiltet schon die Unbrauchbarkeit dieser Theorie ein-
Die von castelli und Gnglielmini in der Raccolta d’autori ehetraltano' de! motodell’ acque aufgenommenen Theorien sollen dadurch begründet werden: dafs zwischender Bewegung des ans einem eefäfse fliefsenden wassers und der Bewegung des Stro-mes eine Analogie statt finde. Castelli wollte z. b» gefunden haben, dafs der nöhe desWassers- ü her der oeffnung des Gefäfses,, d. i. der Druckhöhe die Geschwindigkeit pro-
y. Z