Band 
Erster Band mit acht und sechszig Kupfern.
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VIERTES KAPITEL

DER ANGEWANDTEN FLUSSBAU KU N D E.

Von dem Laufe des Niederrheins und seinen Veränderungen , so wie von dem rlufs.bau an demselben: nämlich von den Siebenbergen oberhalb Bonn bis zur ström -tkeilung des Rheins, oberhalb Arnheim und jsymegen.

$. 222 .

Unter den ins Meer sich ergiefsenden Flüssen ist es der Rhein , an welchem die rlufsund Deichbaukunde vorzugsweise ausgeübt wurde. So w e R er die Grenze zwischenBüiern und der Schweitz bildet; beträgt seine Geschwindigkeit nicht über fünf schuh.Er ist sich hier fast selbst überlassen, indem die Natur ihm ein sicheres Bett gege-ben hat. Aus dem Bodensee heraustretend, nimmt seine Geschwindigkeit zu, bis ersich über die unter schaffhausen befindlichen Felsen stürzt, indem er den schönenund majestätischen Rheinfall bildet. Dieser und die Felsenge bey Bingen, so wienoch'"einige andere minder bedeutende schluckten, sind seine natürlichen Thalsper-ren gewesen, so dafs man den Rhein oberhalb .schaffhausen den oberrhein , von da bisBingen den Mittelrhein , und von hier den Niederrhein nennen könnte.

Es ist merkwürdig, dafs in der Vorzeit fast alle Flüsse in den flachen, jetzttrockenen Gegenden, grofse Seen bildeten, wie diefs die Versteinerungen, Muschel-kalch - Flötze und das Erdlager beweisen. Ihr Lauf wurde nämlich von Felsdämmengesperret, die entweder von Feuer - Eruptionen oder von Menschen gesprengt wordensind. Die ueberreste solcher Dämme hat der Rhein bey Bingen, die Donau oberhalb nehl-heim und unter Linz, der Inn bey uuffstein, die Isar, der Lech, der Nil, der Neckar undwayn, kuiz alle Flüsse, aufzuweisen! Doch diefs sind Naturerscheinungen, die dem was-serbaukundigen nicht so als die mit dem Lauf der Flüsse vorgefallenen partiellen Verän-derungen, interessiren. Ich habe daher in der ersten Auflage dieses Werkes, die mitdem Lauf des Rheins von unkel (Tab, 5.) bis zur holländischen Grenze (xab. 15.) inden letzten Jahrhunderten vorgegangenen Veränderungen, durch urkunden und hydro-technisches Raisonnement nachgewiesen. Für wen diese Sache ein vorzügliches In-teresse hat, den verweise ich daher auf den I. b. der ersten Ausgabe, s. 447. bis 474.,weil der plan dieser neuen nur Folgendes anzuführen gestattet.

l) Im Anfänge unserer Zeitrechnung flofs der Rhein in cöln nicht weit vom Dohm,dann aber in der Richtung c. a. e., Tab. gegen mühlheim. 2) Der casseler- Berg,