stand leisten, so müssen gröfsere Steine zur Oberfläche der Böschung genommen,und, wo möglich auf ein Bett von ziegelgraus oder Mauerschutt gelegt werden, wel-ches Materiale im ueberflufs angetroffen wird. Dieses Material ist defswegen zumunterlager für grofse steine vortheilhaft, weil es eckig ist, und vermittelst des altenMörtels, wenn derselbe nafs wird, eine Bindung abgiebt. Dasselbe wird daher auchin Holland zu diesem Endzweck verwendet, und ich habe es bey vielen Steinböschun-gen und selbst zuin unterlager des Grund bau es bey Chausseen mit Erfolg gebraucht.Fünftens: Was die nÖbe dieser seedämme anbetrift, so glaubt man kaum, seinen Augentrauen zu dürfen, wenn man gewahr wird, dafs dieselben an einigen stellen zweyund mehrere schuh niedriger als an andern liegen; ja dafs sie nicht einmahl dieiiöhe der sturmfluthen erreichen. Kein wunder daher, dafs sie bey den stürmen von1802 an vielen stellen zerissen waren. Man hätte also glauben sollen, dafs diesetraurige Erfahrung ein sicheres und systematisches verfahren zur Folge gehabt habenwürde, leider mangelt es aber noch ganz daran! Soll aber das Schicksal Venedigs und der Lagunen nicht dem ohngefähr überlassen bleiben, so müfste der Seedammauf malamocco zwölf, bey st. Pietro dreyzelm schuh, und so bis gegen chioggia vier-zehn schuh über die ordinäre rluth in den Lagunen gelegt werden. Das ist: diehöchsten stellen der Krone des gegenwärtigen Dammes müssen im Mittel zwey schuh erhöht werden. Dieser unterschied der Deichhöhen ist defswegen nothwendig, weildas iueer den bey chioggia liegenden Deich stärker als die Deiche auf malamocco aa-greift. Sechstens : Auch sind die Sanddünen bey dem Fort Alberoni und gegen Bron-dolo mit Helm, sandriedhafer, der dort schon sparsam angetroffen wird, und mitTamarisken zu bepflanzen. Siebentens: Da, wo der obere Theil dieser seewehre auseinem Erddamme besteht, mag die Krone des Dammes nur sechs bis acht schuh Breiteerhalten, weil die Dammerde dort gut ist. Achtens: Die innere Böschung sollte 1-fbis 2 schuh auf einem schuh Hohe betragen. Neuntens : Müssen die unnützen undkostbaren steinköfter abgetragen werden. Es ist nähmlich in der Wasserbaukunst ei-ne praktische Regel, dafs da, wo nur ein langsamer Fluthstrom geht, die HÖfter durch-aus unnütz sind. Dieses ist auch in der Natur des seeufers gegründet; denn da,wo der Ebbe- und Fluthstrom sich nur äusserst langsam bewegt, wie es hier derFall ist, wo er kaum £ Schuh in einer secunde zuriicklegt, hat der seedamm vondem eigentlichen Strome gar nichts zu leiden, sondern er mufs lediglich den seewo-gen und Brandungen widerstehen , denen ich die starken ©eich - Böschungen entgegen-setze. Da nun überdiefs die see an diesen stellen wenig Material absetzt, so könnendiese HÖl’ter zur Erhöhung des Strandes gar nichts beytragen, welches auch die hierhis jetzt mit grofsen Kosten angelegten nöfter beweisen. Wird überdiefs erwogen,dafs man mit denjenigen steinen, woraus die HÖfter bestehen, die scogliera oder dieSteinböschung längs dem Fufs des Deiches, nach der vorgeschriebenen Böschung, con-struiren kann, indem die Anzahl der abzutragenden steinhöfter bedeutend ist: sowerden die Kosten dieser vorlheilhaften oeichböscliung sich nicht hoch belaufen.
Auf diese weise wird ein werk mit den mindesten Kosten zu Stande kommen,welches in mehreren Jahrhunderten mit Aufwendung unermefslicher Ausgaben nichtvollkommen hergestellt wurde: nähmlich eine die üdi 7 Lagunen und Venedig schü-tzende seewehre.