Band 
Erster Band mit acht und sechszig Kupfern.
Seite
576
JPEG-Download
 

57Ö

§, 17. Was endlich die Form oder Gestalt der Böschungen anbelrifft, so ist dar-über gar mancherley geschrieben worden, ob sie nämlich geradelinigt, convex oderconcav seyn müsse. Der eine Schriftsteller hat diese, ein anderer die zweyte undder dritte die erste Form vorgeschlagen.

In rraxi sind bey Erddeichen die geradelinigten Böschungen die zwcckmäfsigstcn,weil sie nicht so viel kosten, und sich wenig senken, wenn der Deich nur mit sturz-karrn oder wagen aufgefahren ist. Wird die Böschung aber mit steinen belegt, soist die convexität allerdings zweckmäfsig, weil dieselbe eine Wölbung, also eine gros-se Festigkeit der steindecke zuläfst. Kann jedoch auch ein Erddeich bey der Anlage,ohne bedeutende Kosten, convexe Böschungen erhalten, so ist das gewifs sehr gut:denn dieselben werden sich doch mit der zeit in geradlinigte verwandeln, wenn näm-lich der neich sich vollkommen gesetzt hat. Auch bedarf eine convexe Böschung weitwenigere Nachhülfe, als eine geradlinigte, die selbst vom Regen leidet. Concav ma-che man indessen die Aeufsere -Böschung nie; denn aus dieser Form entsteht nur einschnelleres Abspiihlen der nossirung vom Regenwasser, und der Eintritt des wassersin den neichkörper wird erleichtert. Ueberdiefs stellen sich bey allen Deichen, diemit schubkarrn aufgeführt sind, leider einige concavitäten bey den Erdböschungenein, man ist daher oft genöthigt, dieselbe wieder ausfüllen zu lassen. Wozu willman also diese künstlichen Böschungen, welche keinen vortheil bringen, sondern nurin der Ausführung mehr kosten, anwenden.

§. 18. Nachdem ich nun von der Festigkeit der Deiche seihst gehandelt habe, soist es hier der ort, von ihrer wesentlichen Beschützung, ich meyne von der Bepflan-zung des Vorlandes mit Eustern, weiden, canadaischen-, Italiänischen - und Deutschen-pappeln, zu sprechen. Nahe am ufer, und auf dem ufer selbst pflanze man blofs Erd-weiden, die nachgebend sind, worauf sich also das Eis niederlegt, indem sie sich dar-unter beugen. Auf diese weise formiren sich auf solchen weidenanlagen ganze Eis-berge , welche dann das ufer, und selbst den Deich gegen den Angriff des Stromesbeschützen. Die Kopfweiden, pappein und Küstern, womit man das Vorland besetzt,weil dieselben auf dem hohen vorlande besser als Erdweiden wachsen, zersplitternauch das Eis, so dafs k^ine der stärksten schollen an den Deich kömmt. Auch schwa-chen dergleichen Anpflanzungen den Angriff des Stromes, und den Wellenschlag garsehr, wie leicht begreiflich ist. Hat man kein. Vorland, so mufs doch — wenn nurimmer möglich — der rufs des Deiches mit einigen Reihen Kopfweiden oder pappeinbepflanzt werden, um jene Absicht zu erreichen, d. i.. den Deich vor dem Angriffe desEises,. Stromes und Wellenschlages zu beschützen, ja auch nolz für die uferbauwer.-ke zu ziehen.. Aber nicht nur der Deichfufs, sondern auch die vordere - Böschungmufs etwa 6 bis 10 schuh (verticaler Hohe) von der Krone abwärts, bepflanzt wer-den: denn es ist durch die Erfahrung, unter andern an den Leckdeichen, erwiesen,dafs das wasser unten um den stamm , der auf der vordem Böschung stehenden Bäu-