Band 
Zweyter Band mit sechs und vierzig Kupfertafeln.
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SOI

10. In vielen Fallen tind insbesondere beym Brückenbau interessirt denIngenieur die Tragkraft oder Elastizität des Baubolzes. Darüber habe ich nicht nurbey dem Bau der Bogenbrücken, wo die Hölzer sehr stark gebogen worden sind,wichtige Erfahrungen gesammelt, sondern auch viele versuche angestellt, von. denenich im 4ten $. einige anführte und mehrere in den Beyträgen zur Brückenhaukundeangeführt habe, und die ich im dritten Bande zu vermehren hoffe. Ich will dem-nach diesen zum Brückenbau gehörigen Gegenstand hier nicht erschöpfen.

11. Der verschiedenen Eigenschaften des Holzwuchses und einige vorsichts-maafsregeln bey seinem Gebrauche sind es, welche uns jetzt interessiren, um darausfür die Ausübung nützliche Resultate zu abstrahiren. 1 } Wenn der schuft oderstamm eines Baumes untersucht wird, so findet man, dafs derselbe besteht a) inder Mitte aus dem Kern oder mcltk , welches man auch das Herz nennt, und die ei-gentliche Axe des Schaftes bildet. Dieser Kern ist b) von den das Holz bildendenFibern oder Fasern, die nach dem Querschnitte des Baumes, das ist, nach der Kirn-seite (diese Fläche nennt man das Hirnholz) Ringe formiren, umgeben , und dieseRinge vermehren sich mit jedem Jahre um einen Ring, so dafs ihre Anzahl das Alterdes Baumes, in den beynahe ausgewachsenen Querschnitten des Stammes, angeben;in welcher Hinsicht sie Jahresringe genannt werden. Und so wie sich die unternQueerschnitte des Stammes mit einem Ringe jährlich vermehren, wird auch die aindejährlich verstärkt, welche neue Anlage vom Eastringe ausgeht.

Zwischen diesen Jahresringen entdeckt man noch andere aber weichere und weifseröHolzfasern, die vielleicht die eigentlichen saftröhren bilden ; diese sowohl zu erkennen,als dafs die Jahresringe gegen den umfang des Stammes, das ist, im Splinte beson-ders klein sind, dazu mufs man, bey Untersuchung des Hirnholzes, das iwicroscop mit zuHülfe nehmen; auch um die Jahresringe, selbst bey den gröfsten Nadelholzbäumen, zuzählen. Ich zählte auf einem vor mir liegenden stücke einer Lerche, 96 Jahresringe.2) Der Kern steht jedoch nur in der Mitte des Schaftes bey denjenigen Bäumen,welche die gesundesten sind, gerade Fibern haben, und er verjüngt sich, je nachder conischen Gestalt des Stammes, von der Wurzel aufwärts. 3 ) Die Jahresringesind daher an der einen Seite des Baumes öfters weit stärker, als an der entgegen-gesetzten, und der Querschnitt von mehreren Stämmen zeigen, dafs sie nicht allemalconcentrisch mit der Axe, sondern gröfstentheils excentrisch liegen, und dafs dieseVerschiedenheit nicht von der Exposition nach einer weltgegend allein abhängig sey.4) Allemal nimmt aber ihre Stärke und Härte von der Axe nach dem den splint um-gebenden Baste ab, weil sie dort älter als hier sind ; dafs die Fasern gegen denKern weit breiter, als gegen den Splint zu sind, habe ich durch viele Beobachtungengefunden, wiewohl bekannte botanische Schriftsteller das Gegentheil behaupten. Ichsage wie ich es finde, und schöpfe gerne selbst aus der Quelle, die uns allen offenglietl 5 ) Die äufsern Fasern des Stammes, welche aus den letzten Jahresringen be-