§. i6. Die Bezeichnung, die der gemeine Mann mit iridenonnig und jvachson-nig gegeben hat, leitet derselbe, wie ich durch örtliche Untersuchung gefunden habe,von der Exposition des Baumes gegen die sonne ab. Die Gebirgsbewohner wollennämlich bemerkt haben: dafs die Fasern der von ihnen genannten nachsonnigenBäume von Morgen nach Abend , von dem Kerne, abweichen, dafs bey den jungenBäumen die Fasern diese Richtung gröfstentheils annehmen, und dafs späterhin dieFasern eine andere Richtung zu erhalten streben, wodurch denn die widersonnigenBäume entstehen.
Wenn nicht geläugnet werden kann, dafs die sonnenwärme und das nicht einenentscheidenden Einflufs auf den wachsthum der Jahresringe des Holzes hat, so mag eswohl zugegeben werden , dafs die auf dem Abhange der Gebirge, der sonne mehr aus-gesetzten, als den in dem Flachlande in geschlossenen Wäldern wachsenden Bäume , dieEinwirkung der sonne erfahren; dafs diese Wirkung auf die jungen Bäume gröfser,als auf die altern sey , worin die Fasern härter geworden sind; ja ! dafs diese Ein-wirkung in dem Maafse schwächer wird, als die circulation der resinösen Säfte auf-wärts strebt; dafs ferner in der einen Hälfte des Stammes die saft- und uuftgefässeder Fasern, von der sonne, eine gröfsere Wirkung erfahren, als die der andern, unddafs endlich die Gegenwirkung, womit der Baum empor zu wachsen strebt, nichtblos die Einwirkung der sonne verringern , sondern zuletzt aufheben könne. Indes-sen glaube ich doch, dafs die wirknng des Windes auf die zweige auch einen Ein-flufs auf das schief wachsen oder drehen der Fibern ausübt. In den wäldern , dieder Nordseite entgegen liegen, drehen sich gewöhnlich die Fasern erst in der Nähedes Gipfels, und diese Drehung von unten an, findet vornehmlich in wäldern stattdie der Südseite exponirt sind.
Wir sehen jedoch auch aus diesen Wirkungen, dafs die zum Bauholzeden Vorzug verdienenden Hölzer in geschlossenen wäldern, d. i., aus dem saamengezogen werden sollen, wo sie gegen die ungleiche Einwirkung der sonne und derheftigen winde geschützt sind , und vertical empor strebend nicht leicht den Raumhaben, um sich nach der einen oder änderen Seite über zu werfen, und krumm zuwachsen. Daher trifft man die einzelnen Bäume, besonders das Nadelholz, kriippligt,schief, klein und gewunden an, und selbst die Eiche gedeiht nicht einzeln. Diehäufigen Anpflanzungen in Niedersachsen zeigen dies recht auffallend. Doch ichüberlasse den wahren Forstmännern, die Ursache dieser Erscheinung näher zu un-tersuchen. Möge ihr Bemühen und ihr Einflufs auch zur Folge haben : dafs die anden flofs - und schiffbaren Flüssen, oder in der -Nähe grofser Hauptstädte liegendenWälder nicht verkauft werden, während man diejenigen als Staatseigenthum behält,aus denen der Absatz schwierig, öfters unmöglich ist, dafs diejenigen Bäume, diebereits ihr volles W'achsthum erreicht haben, und an Güte abnehmen, verkauft wer-den, weil der Staat die Interessen, welche der Erlös abwirft, verliert, während dem