Band 
Zweyter Band mit sechs und vierzig Kupfertafeln.
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589
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4.) Der Mörtel werde nach den S. 536. angegebenen Vorschriften bereitet, unddas ziegelmehl oder der Trafs, vör dem Gebrauch, mittelst Hand- oder Maschinen-Stampfen zerstossen, oder nach der zerstossung in kleine stücke unter einem steinoder einer Tonne zermalmet, wozu die in Fig„ 58. Tab. 84. gezeichnete Vorrichtungdient. Man kann auch diese Materien und andere Bestandtheile des cements, alsKrugscherben u. s. w. auf den gewöhnlichen Stampfmühlen zermalmen lassen. Oefterswerden sie in einem Troge, mit Stampfern, die an langen über einige unterlager lie-gende junge Tannenbäume befestigt sind , zerstampft.

i 5,) Jeder, ziegel mufs, vor der Vermauerung, von staub gesäubert und etwasangefeuchtet oder in wasser getaucht werden, damit seine äufsern pori den Mörtelaufnehmen. Wird diefs unterlassen , so fällt der Mörtel vom stein wieder ab , wäh-rend er auf sein uager gelegt wird.

6. ) Da eine dicke Mörtellage der Festigkeit der "Mauer schädlich ist, so sollt?man des Mörtels nicht mehr gebrauchen, als die Verbindung der steine erfordert;aber weder die ziegel noch Bruchsteine dürfen sich direkte berühren, weil dadurchdie durch Mörtel zu bewirkende Verbindung unterbrochen ist. Grofse Werkstückehingegen können, wenn sie genau bearbeitet sind, ohne Mörtel auf- und neben ein-ander gelegt werden, wie wir dies an den Gebäuden des Alterthums häufig antreffen,mnd wie ichs selbst bey einigen Brückenpfeilern, z. b. bey der MÜhldorfer-Innbrücke4n Anwendung habe bringen lassen. Dicke MÖrtellagen oder Mauerfugen sind dersicherste Beweis von der Ungeschicklichkeit oder Nachlässigkeit der Bauaufseher undMauermeister. In Holland und Italien , wo unstreitig die ziegelmauern zum Befsten{in Europa ) gemacht werden , nehmen die Mauerfugen § bis f- pariser zoll ein. *)•In Deutschland aber öfters drey zoll! Ja ich habe in Venedig und vicenza vom pal-ladio Gebäude gesehen, woran die Säulen aus ziegel bestanden, in denen die MÖrtel-fugen kaum t x ö c* nes Zolles hatten. Diese säulen sind aus eigends dazu (ohnweitTreviso ) gebrannten ziegein (vrevisanis eben ziegein) vortrefflich gemauert und vonaussen abgeschliffen. Ein Drittheil zoll sollten die ziegelmauerfugen selbst beym be-sten Mörtel, der wenig vom .Froste leidet, nicht übertreffen. Bey Bruchsteinmauernkönnen sie etwas stärker, und bey Werkstücken schwächer seyn. Um des Mörtelsaber wenig zu gebrauchen , müssen die Mauerlagen mit der schrotwage richtig ab-gewogen werden, denn sonst ist die Ausführung dieser Vorschrift unthunlich; auchsind die Ruhefugen horizontal zu halten.

7. ) Welche Steingattung auch gebraucht wird, so mufs jeder stein in ein MÖr-tellager eingedrückt, aber nicht hin und her geschoben oder auf den stein stark ge-geklopft werden, damit unter demselben keine Höhlungen entstehen. Zu den stofs-fugen , das sind die verticalfugen, so wie in den horizontalen Fugen der äufsern

*) Es versteht sich, (lafs beym Vermauern der Steine immer so viel Mörtel als die Steinpori einnehmen,mehr auf die untere Steinlage ausgebreitet werden mufs, um jene nicke der Mörtellage zu erhalten.