Band 
Dritter Band mit zwey und dreyssig Kupfern.
Seite
241
JPEG-Download
 

24t

*

Der hochherzige Prinz von orcinien, obwohl den Verlust Antwerpens durchausbezweifelnd, gab dem Bürgermeister Aldegonde, den er nach Delft zu sich beschie-den hatte, den Rath: den zwischen senviiet und Lillo liegenden Damm (Blaauwga-rendyk ) unverzüglich schleifen, um die Gewässer der osterscheide in den rolder vonBergen eintreten zu lassen, auf diese weise den seeländisehen Schiffen, wenn etwadie Schelde gesperrt würde, in der Inondation die Fahrt bis nach Antwerpen zu bah-nen. Aldegonde trug dieses dem Magistrat vor, aber die zunft der Fleischer standdagegen auf, weil das Feld, welches man unter Wasser setzen wollte, eine Hutweidewar, die jährlich 12,000 Stück Ochsen fett machte. Diese thörigte Weigerung siegteim Rath über den klugen Antrag ihres ersten Patrioten, ihrer höchsten iuagistratsper-sohnl und so glaubte man mit denen im Lande r/aes eingelassenen Ueherschwem-muugen genug gethan zu haben. Dies ist abermals ein merkwürdiges Beyspiel vondem Egoismus einer einzelnen Zunft und wie schwieriges sey: die Menschen, durchvernünftige Gründe, zu Aufopferungen zu bereden, wenn es gleich gewifs ist, dafs siespäter tausendmal mehr, selbst ihre Freyheit, ihr Gut und Blut verlieren, sie müssen daherfast immer zum bessern gezwungen werden! Erst nnifste der Feind aus seinen längsder Schelde liegenden Schanzen, die Schifffahrt auf diesem Flusse gefährlich machen,in Brabant eine Stadt nach der andern genommen haben, bevor Antwerpens Bewoh-ner das schreckliche ihrer Lage einsahen; ihr erstes Bedürfnifs, Getreide, wurde vonWuchern aufgekauft und zurückbehalten; nicht einmal die Reichen wollten es ankau-fen, um es, im Fall der Noth , wieder für Geld herzugeben. Der Magistrat, wäh-rend, er dem Egoism der Reichen nachgab , hielt dafür: dafs man einem Jeden be-fehlen solle, sich für sich selbst, auf zwey Jahre, mit dem nöthigen Proviant zu ver-sehen ; ein Vorschlag, wobey sie sehr gut für sieh, aber sehr schlecht für die ärmernEinwohner sorgten, denen es an Mitteln dazu mangelte. Der Magistrat, indem erso die Reichen zu schonen, und den Pöbel zu schmeicheln bemüht war, wählte einfür das ganze gefährliche Mittel; indem er zu eben der zeit, als Seeländische Liefe-ranten auf den vom Feinde besetzten Wasserstrafsen, vor Antwerpen mit Getreide an-gefüllten Schiffen erschienen, den Preis aller Lebensmittel lierabsetzte, und verordnete:das Alles aus freyer Hand von den Schiffen gekauft werden sollte. Die Unternehmer,durch diese Vorkehrungen, um den ganzen Gewinn ihrer Fahrt betrogen, spanntendie Seegel und verliefsen Antwerpen, mit dem gröfsten Theil ihrer Ladung, welchehingereicht haben würde, die Stadt mehrere Monate zu ernähren. Ohne zweifei wur-den diese unverständigen Maafsregeln durch die noch unverständigere Behauptung be-schönigt : dafs der Herzog von Parma: unmöglich die 2400 Fufs breite scheide sperrenkönne! Während dem ergab sich Gent , welches die zur Schiffbrücke erforderlichenMaterialien enthielt. Die Schwierigkeit war nur, diese sicher herbeyzuschaffen; dazuöffneten ihm die Feinde selbst den natürlichsten weg, in der Anfangs erwähnteninondation des Landes von waes. Der Herzog liefs also seine Schiffe von Gent aus-

U

III. Bari fl.