$. 3Q8. Die rorhöpfe oder Schnäbel der Brächen - pfeiler *) oder -auch dierorpjeiler, welche ich in dem obern- gegen den Strom gekehrten und dem vntern-vorhopfe unterscheide, bilden defswegen wesentliche Bestandteile einer Brücke, l)weil sie denjenigen Körper des Pfeilers , auf dem die sögen ruhen, gegen das Ueber-weichen nach den seiten, sichern, folglich als Stützmauer dienen ; 2) weil der obereVorkopf die Eismassen und das Treibholz vom obern Theil des Pfeilers abhält; 3 )die Eisschollen sich daran brechen; 4) die von den Eismassen bewirkten stöfse demBogen selbst nicht eher mitgetheilt werden, bis sie denselben erreichen; das Gegen-teil aber Staat finden müfste, wenn dieselben unmittelbar auf die Wurzel der sögenund auf eine gerade Fläche anfielen; 5) soll der obere Vorkopf den Strom und dieEismassen allmählig von den Seitenwänden des pfeilers ableiten, und keinen Wasser-sturz bilden; und endlich Ö) soll der untere Vorkopf auch die Unterwaschung desPfeiler-Endes und der Umgebung verhindern. Aus diesen Sätzen folgt nun: dafs dieForm, Länge und Höhe der Vorköpfe dergestalt bestimmt werden müsse, damit die-sen Bedingungen entsprochen werden könne.
In so ferne sich an die vordere Wand des Pfeilers die Eismassen brechen,und unschädlich den Strom spalten soll, so mufs sie zuerst betrachtet werden. Bildetdiese wand mit dem Strom einen rechten Winkel, so entsteht vor dem Vorkopfe einhoher Aufstau der Oberfläche des Stromes, also seitwärts desselben ein förmlicher Was-sersturz, und die in die erniedrigte Wasserfläche längs dem pfeiler fallenden Stromfädenwirken auf die Gründung des pfeilers gewaltsam. Diese Erscheinung, welche darin be-steht, dafs sich die von dem vorkopf des Pfeilers aufgestaute Wassermasse abwärts,d. i. längs dem Pfeiler senkt, nennt man den Wasserpafswechsel, der dadurch zuvermeiden ist: dafs der Strom allmählig vom pfeiler abgelenkt wird. Es mufs alsoder obere xbeil des pfeilers den ström nicht gewaltsam spalten , und dieses kann ge-schehen, wenn man ihn nach einer krummen Linie oder nach zwey Kreisstücken ab-rundet. Die Versuche über den Widerstand, den das Wasser einen dagegen bewegtenKörper entgegensetzt, die ich zum Theil auf meine Kosten angestellt habe, und worüberder 2te Band der ersten Auflage dieses Werkes Seite VI. Auskunft giebt, zeigen, dafsman die Länge der Brückenpfeiler etwa um das sechsfache der Breite zu machen Ursachehabe, und dafs ein spitzer unterer Vorpfeiler, das Durchströmen des Wassers durchden Bogen erleichtert; man timt daher gut, die Brückenpfeiler unten, nach zwey Kreis-stücken abzurunden, wo der Eisgang heftig wirkt, wie es bey der Mühldorfer Brücke(Tab. 124.) geschehen ist. Ferner schieben oder thürmen sich die Eismassen aufeinan-der, stofsen an den pfeiler, ohne seitwärts abzugleiten, erschüttern also das Gewölbe©der die Bogen, und so ist denn, ohne Vorkopf, ein Eisdamm, d. i., eine Eisstopfung von
*) Die Vorköpfe oder Vorpfeiler sind diejenigen Theile eines Brückenpfeilers, welche über die Breitedes Brücken-Bogens hinausgehn.
HL Bund.
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