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ERSTES BICH.
ebenfalls von Tiberius bezwungenen, am Brigantinischen Seewohnenden Yindeliciern.
Auf die Anlage und Unterhaltung von Strassen ver-wendeten die Römer in allen Provinzen besondere Sorgfalt.Schon Agrippa , der Schwiegersohn August’s, der einige Zeit(38 a. C) Gallien verwaltete, liess eine Strasse bauen, dievon den Sequanern nach Raurachien und den Rhein abwärtsführte. Auch die Strasse über den Summus Penninus wurdeverbessert. „Zur Bändigung der räuberischen Alpenbewohnersagt Strabo , liess Auguslus, so weit es möglich war, überdas Gebirge Strassen führen, so dass dasselbe nun an vielenStellen überstiegen werden konnte. Die Strassen sind jedochzum Theil so schmal, dass nur der landesgewohnte Fuss-gänger und Laslthiere vom Schwindel frei bleiben. Auch demHerabsturzen mächtiger Eislager, welche ganze Carawanenin die Abgründe hinabreissen können, vermochte man nichtvorzubeugen. Solche Eisschichten liegen nämlich viele übereinander , indem der Schnee durch den Frost sich in Eisverwandelt, und leicht löst eine obere sich ab, bevor sievon der Sonne geschmolzen ist.“ — Eine Strasse führtevon Geneva längs dem Nordufer des See’s nach den dortliegenden Orlen, durchschnitt dann die Waadt und verbandsich mit den Orten, die sich am Fuss des Jura nach Rau-rachien und Vindelicien hin befanden. Mehrere Strassenführten durch den Jura zu den Sequanern. Aus Rhätien folgte eine Strasse dem rechten Rheinufer nach dem Bo densee .
Während eines mehr als zweihundertjährigen Friedensstieg Helvetien, in den Niederungen von der Natur be-günstigt, von fleissigen und kräftigen Volksstämmen ange-baut, in stetem Verkehr mit römischer und gallischer Cultur,zu einer nicht geringen Stufe von Wohlfahrt und Bildungempor. Die meist wohl vorrömischeu Städte, Noviodunum,Lausonium, Aventicum , Ebredunum, Noidenolex, Petenisca,