ERSTES BUCH.
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und dringen, indem sie wilde und grausame Volksstammescheiden, bis nach Thracien ein. Der Rhodan entspringtnicht weit non den Quellen des Ister und des Rhenus; vondem Lemanisehen See aufgenommen , behält er seine Strö-mung, ohne sich mit dem Seewasser zu mengen (ein Irr-tlmm, der sich bis in neuere Zeiten fortgepflanzt hat), undverlässt den See mit derselben Wassermenge, mit der ereingetreten ist.“ - „Der Rhenus, <) der aus den Alpen her-kommt, bildet nicht fern von seinem Ursprung zwei Seen,den Venelischen und den Acronischen (wahrscheinlich denBodensce und den Untersee ); dann bleibt er auf eine grosseStrecke ungetheilt und strömt in einem festen Reit, spattetsich aber nicht weit vom Meere in mehrere Zweige, vondenen der zur Unken den Namen Rhenus bis zur Mündungbehält, der zur Rechten zuerst auch als Strom erscheint,bald aber, da die Ufer weit zuriiektreten, einen sehr grossenSee Flevo bildet, der eine gleichnamige Insel umschliesst,zuletzt aber wieder sich verengt und als Fluss sich ins Meerer giesst.“ Von Germanien und seinen wilden Bewohnern gibtMela eine schreckhafte Beschreibung. -)„Das Land ist durchviele Ströme verwickelt, durch viele Gebirge rauh und zumgrössten Theile durch Wälder und Sümpfe unwegsam. Diegrössten Sümpfe sind der Suesische, der Estische und derSumpf Melsiagum ; von den Wäldern ist der Hercynische, dereinen Raum von 60 Tagereisen bedeckt, der grösste. Diegrössten Gebirge sind der Taunus und der Rhetico, wennnicht andere sie übertreffen, deren Namen ein römischerMund kaum aussprechen kann.“
Zur Zeit der ersten Kaiser begann man auch bereitsdie verschiedenen Theile der Alpen durch besondere Namen
') Lib. III, 2.2 ) Lib. III, 3.