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Geschichte der physischen Geographie der Schweiz : bis 1815 / von B. Studer
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ALLGEMEINE VERHÄLTNISSE.

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gang von Cappeller, die Widrigkeit der Kryslallformen,und Bergmann zeigte, wie durch ein Anwachsen nach be-stimmten Gesetzen die verschiedenen Gestalten derselbenSubstanz in einander übergehen können. In ihrem vollenWerthe wurden diese bis jetzt fast ausschliesslich auf denBergkrystall oder Kalkspath beschränkten Ansichten vonRome de lIsle (1736-1790) aufgefasst und auf diemeisten damals bekannten Krystalle ausgedehnt.

Die Chemie, deren niedriger Standpunkt es unmöglichmachte, die systematischen Ansichten Cronsledl's durchzu-führen, ging immer rascher einer Reform ihrer Grundlagenentgegen. Geoffroy (1672-1731) hatte die Theorie derWahlverwandtschaft oder Affinität aufgestelll, die von Berg­ mann und Wenzel (1740-1793) weiter begründet undentwickelt wurde; Black (1728 1799), Cavendish(1731-1810) und Priestley (1733-1804) verdankt mandie Entdeckung der wichtigsten Gasarten und der chemischenPneumatik; der berühmte Arzt und Professor in LeydenBoerhaave (1668-1738) benutzte die Chemie zur Er-weiterung der Physiologie und wurde, mit Marggraff(1709-1782), Cartheuser (1704-1777), Rouclle (1703-1770) u. A., einer der Begründer der organischen Chemie.Bis gegen das Ende des Jahrhunderts herrschte die phiogistische Theorie von Stahl, obgleich mehr und mehr er-schüttert durch die neueren Entdeckungen der Gasarten unddie Einführung der Wagen in den Laboratorien.

Mit den Fortschritten der Chemie standen diejenigenverwandter Theile der Physik in enger Verbindung. DieTheorie der Wärme, eines der wichtigsten Factoren in derPhysik der Erde, konnte, bei den fleissigen Untersuchun-gen über den Process der Verbrennung und die pneumatischeChemie, nicht vernachlässigt bleiben. Durch vieljährige,schon im vorigen Jahrhundert durch die Akademiker delCimento und Amontons (1663-1705) begonnene, später