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wände yoi- dem Sonnenstrahl geschützten Schneedeckenhaben.
Beim Anblick dieser schwachen "Wasseradern dürfteder Laie vielleicht ungläubig den Kopf schütteln, wennman ihm sagte, dass von hier der Wildbach das Materialzum Bau des Schuttkegels hole. Kaum hörbar rieseltsin den Rinnsalen, und aufmerksam müssen wir demWasser zusehen, wenn wir von einer erodirenden Thätig-keit selbst in lockerem Terrain etwas merken wollen.Eine feierliche Stille herrscht hier oben, und nur hinund wieder poltert’s über die Schutthalden herab, wennsich ein Stein loslöst und der Tiefe zueilt, bald immächtigen Sprung, bald aufschlagend und andere kleineremit sich reissend. — Aber nur eines Platzregens be-darf es, und das Werk der Zerstörung beginnt. Nachwenigen Augenblicken rinnt das Wasser von den Eels-platten und sammelt sich, wenn es nicht hier und dadurch Spalten in die Tiefe gelangt, in den Rinnsalen,ja selbst in die lockere Bodenkrume hat es nicht dieZeit einzudringen, denn bald ist die oberste Lage durch-tränkt und lässt die nachfolgenden Tropfen über diefeuchten steilen Gehänge hinabgleiten. Von Minute zuMinute kann man das Anschwellen der Wasseradernund das Wachsen der Erosionskraft beobachten. Trübstürzen die Eluthen herab und reissen neben Sand- undThontheilchen bald auch gröberes Material mit sichfort. Je grösser die in einem Rinnsal abfliessendenWassermassen sind, um so grösser ist natürlich ihreGeschwindigkeit, denn die Reibung wird geringer, undüber die Hindernisse, die das winzige Bächlein umfloss,rast der „Regenstrom“ hinweg, seinen Lauf gewisser-massen verkürzend. So eilen die Wasser von allenSeiten zum Sammelcanal, dessen ganze Sohle bald hochüberfluthet ist. Hier wühlt der wilde Strom tiefe Kolkea üs, dort unterhöhlt er, bald rechts, bald links geworfen,