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Die Wildbäche der Alpen : eine Darstellung ihrer Ursachen, Verheerungen und Bekämpfung als Beitrag zur physischen Geographie / von F.W. Paul Lehrmann
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150 Kilometer gegenüber. Während die Gewässer beiderAbhänge in gleicher Höhe entspringen, liegt auf derKordseite der Genfersee 375, der Züricher 409, derBodensee 398 m. über dem Meeresspiegel, auf der Süd-seite der Lago Maggiore 197, der Lago di Como 213und der Lago di Garda 71. Gehen wir weiter nachOsten, so hat Innsbruck 583 m. Meereshöhe, Meran dagegen nur 320 und Botzen 259; Admont im Ennsthal643 m., Tolmezzo am oberen Tagliamento 331.

Gleiche Structur und gleiche Beschaffenheit derFelsen bedingen unter denselben klimatischen Yerhält-nissen stets gleichartige Bergformen. Die verschieden-artige Physiognomie der alpinen Gruppen beruht aufder verwickelten Structur und petrographischen Mannig-faltigkeit des Gebirges, welches den Atmosphärilien anjedem Punkte andere Bedingungen stellte. Kur ausdem Wechsel harter und weicher, schwer und leichtverwitternder und löslicher Gesteine und Gesteins-varietäten sind jene zackigen Kämme, jene Schartenzwischen schlanken Kadeln, jene Tobel und Schluchtenin den Gehängen zu erklären.

Fielen merglige und thonige, leicht verwitterndeSchichten steil ein zwischen widerstandsfähige Felsen,so sind sie oft ganz zerstört, lagern sie oben auf, sowerden sie von den geneigten Schichtenrücken abge-schwemmt, und selbst zwischengelagert sind sie demAngriffe des Feindes nicht entrückt, wenn das Hangendeaus durchlässigen Gesteinen besteht. Liegen poröseSandstein- und zerklüftete Kalksteinbänke auf Mergel-und Thonschichten, dann sickert das Wasser bis zudiesen durch und bildet über ihnen am Abhang eineQuelle. Bei ungenügendem Abzug aber macht es dieMergel- und Thonlager schlüpfrig und schlammig, sodass die auflagernden Massen ins Gleiten kommen undein Bergsturz mit seinen Schrecken über die ahnungs-