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Die Hauptaufgabe der Bodenerhaltung und sogarder Bodenverbesserung fällt dem Walde zu, der nichtblos — wie leider so oft — als eine „Vorrathskammerfür Nutz- und Brennholz“ betrachtet werden darf, son-dern vor allem als Regulator der Gewässer, indem ereinerseits Heb er schwemmungen verhütet, andererseitsdem Wassermangel vorbeugt.
Nur nach dieser Seite hin, nach seiner Einwirkungauf die Niederschläge im Hochgebirge haben wir unshier mit dem Walde zu beschäftigen und der Präcisionwegen übergehen wir sogar — so überzeugt wir vonderselben sind — seine allgemeine klimatische Be-deutung. Die Waldfrage greift so tief in das Privat-interesse, dass sie eine bedeutende Literatur hervor-gerufen hat, in der oft mit mehr Eifer als Klarheitdie Sache behandelt wird, obwohl gute Beobachtungensie längst über den Standpunkt der Meinungen undsogenannten Ansichten hinausgeführt haben.
Zunächst muss die Disposition zu Niederschlägendurch den Wald vermehrt werden, und die Regenwahr-scheinlichkeit unter seinem Einfluss besonders im Sommerund im Gebirge wachsen. — Es ist nämlich — nachUntersuchungen an den bairischen Porststationen — dieLuft im Walde relativ feuchter und während des Tagesstets kühler als im Freien. Die Differenzen wachsenmit der Höhe über der Meeresfläche und erscheinen imSommorhalbjahr grösser als im Winter. Die Beob-achtungen von Sartiaux und Pautrat auf der franzö sischen Forstdomaine Halatte ergeben in der That eineVerstärkung der Niederschläge über dem Walde. 1 ) Es
fl Siehe die Tabelle bei Lorenz „Wald, Klima und Wasser“pag. 147. In den Ziffern für Laubwald vom Jahr 74 steckt einFehler. — Im Januar ist nie beobachtet, in den übrigen Winter-monaten nicht durchgehend.